Sonntag , 20. September 2020
foto:Michael Behns LSK Trainingsauftakt 2015

Herrlich anonym

Acht Neuzugänge und acht Gastspieler gaben sich beim Trainingsauftakt des Lüneburger SK die Ehre. Doch für Gesprächsstoff am Spielfeldrand sorgten weniger die Fußballkünste der Neuen, sondern viel mehr die Fragen, wer gerade was unter welchem Pseudonym wo über den Fußball-Regionalligisten gepostet hat. Es geht so herrlich anonym zu im Internet – und da machen plötzlich auch Whatsapp-Nachrichten der internen Gruppe „LSK 2014/2015“ die Runde. Wie mysteriös!

24 Kopien von Textmitteilungen aller Art erhielten wir als persönliche Nachricht über Facebook. Die Dokumente waren für ein paar Stunden in einer Fangruppe online, ehe sie wieder gelöscht wurden. Der Inhalt lässt sich in einem Satz zusammenfassen: LSK-Spieler fühlten sich von Trainer Elard Ostermann und insbesondere von Sportvorstand Gerald Kayser schlecht behandelt, weil unter anderem diverse Zusagen nicht eingehalten wurden.

Die große Enthüllungsgeschichte für uns? Nein, denn:

1. Es handelt sich um eine geschlossene Whatsapp-Gruppe. Wer hier etwas schrieb, durfte eigentlich davon ausgehen, dass seine Nachrichten nicht an die Öffentlichkeit gehen.

2. Alle Namen sind unkenntlich gemacht. Auch unser „Informant“ hat uns die Dokumente mit einem offensichtlich nur für diesen Zweck angelegten Fake-Account zugeschickt. Ausdrucke erhielten wir mit der Post ebenfalls ohne Absender. Was passiert aber mit anonymen Leserbriefen aus gutem Grund? Eben.

3. Dass zwischenmenschlich in der vergangenen Spielzeit trotz des sportlichen Erfolgs das eine oder andere schief gelaufen ist, dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein. Dass man beim LSK nicht die gleichen Bedingungen vorfindet wie zum Beispiel bei RB Leipzig, ebenfalls. Diverse Spieler haben ihre Konsequenzen daraus gezogen und sind gegangen. Am Montag hat aber mit dem ersten Training die Saison 2015/2016 begonnen. Ein Blick in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit ist jetzt angesagt.

Die Whatsapp-Plaudereien werden inzwischen sicher auch bei den Verantwortlichen angekommen sein. Sie sollten allerdings die Kritik aber nicht nur als Stänkereien von unzufriedenen Reservisten abtun. Denn auf Dauer wird sich gerade ein Verein mit begrenzten finanziellen Mitteln so viel Unzufriedenheit in seinen Reihen nicht leisten können.

Andreas Safft