Freitag , 30. Oktober 2020
foto:Michael Behns Meppen gegen LSK

Das ganz normale Fußballgeschäft

Eine große Überraschung ist es nicht mehr. Muhamed Alawie wechselt zum SV Meppen. Der Toptorschütze wird wie Stefan Wolk, Oliver Ioannou und einige Spieler mehr am Freitag in Braunschweig zum letzten Mal das Trikot des Fußball-Regionalligisten Lüneburger SK tragen. Wie in den vergangenen drei Jahren steht der LSK in diesem Sommer vor einem großen Umbruch. Trainer Elard Ostermann und Sportvorstand Gerald Kayser werden sicher wieder einen konkurrenzfähigen Kader präsentieren können. Hat dieses System des permanenten Spieleraustauschs aber Perspektive?

Am 3. August 2012 begann Ostermanns Amtszeit mit einem 0:3 bei der SV Drochtersen/Asssel. Von den 14 damals eingesetzten Spielern finden sich im aktuellen Kader nur noch die künftigen Drochtersener Wolk und Ioannou. Am 27. Juli 2014 eröffnete der LSK die Saison mit dem Hinspiel gegen Braunschweig II – aus dem damaligen Aufgebot haben sieben Spieler (Issahaku, Kiy, Richter, Rohrbach, Hertting, Maaß und Saglam) den Verein mittlerweile verlassen.

Diese Fluktuation ist kein Zufall. Weil der LSK weniger bieten kann als die Konkurrenz, guckt er sich speziell nach Spielern um, die woanders durchs Raster gefallen sind. Alawie dient als Paradebeispiel: Der LSK half ihm, wieder fit zu werden und Fuß zu fassen; er dankte mit bisher elf Toren und großem Einsatz. Nun trennen sich die Wege wieder – Normalität im Fußballgeschäft.

Was zu denken gibt, sind die Abgänge von Führungsspielern wie Iscan, Saglam oder Ioannou, die offenbar nicht nur sportliche Gründe hatten. Ostermann und Kayser gehen ihren Weg konsequent, dulden keine Halbheiten und Pokerspielchen. Wer nicht voll mitzieht, ist ganz schnell raus. Anders kann man einen finanzschwachen Verein wie den LSK wohl nicht in der Regionalliga etablieren. Aber das raue Klima verträgt nicht jeder. Vom Kurzzeit-Sportchef über Betreuer und Jugendtrainer bis zu diversen Spielern fühlten sich viele Leute irgendwann nicht mehr wohl in dieser Two-Men-Show.

„Ich will mit Freunden zusammen spielen“, begründete Wolk seinen Wechsel Richtung Drochtersen – und erklärte damit unfreiwillig das Problem des LSK. Mit elf Freunden allein gewinnt man in der Regionalliga keinen Blumentopf. Mit elf beliebig austauschbaren Feierabend-Profis, die sich mit dem Verein nur für kurze Zeit identifizieren, auf Dauer aber auch nicht.

Andreas Safft