Samstag , 31. Oktober 2020

Höchste Zeit für die Trendwende

Wer in die Gesichter der Spieler nach dem Abpfiff in Meppen geguckt hat, dem muss angst und bange um den LSK werden. Tief enttäuscht, fassungslos und mit leeren Blicken verfolgten die Lüneburger Fußballer, wie ihre Kontrahenten vom SV Meppen den 2:1-Sieg und den Einzug in den DFB-Pokal mit ihren Fans feierten. Eine Feier, die sich eigentlich die Gäste mit einem bärenstarken Auftritt in den ersten 60 Minuten verdient gehabt hätten. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison stellte der LSK das stärkere Team, erarbeitete die besseren Chancen – und ging doch leer aus. Wie soll der LSK im Abstiegskampf die Trendwende schaffen? Nach diesem Nackenschlag in Meppen?

Ratlos wirkte Coach Elard Ostermann schon nach dem 0:8 gegen Goslar – der katastrophalen Niederlage, an dessen Folgen der LSK immer noch zu knabbern hat. Mit der Wintervorbereitung war er richtig zufrieden. Aber was zählen gute Laktatwerte und ein 4:1 im Testspiel gegen den designierten Zweitligisten Holstein Kiel, wenn im Punktspielalltag die Ergebnisse nicht stimmen?
Fünf Punkte aus den letzten sieben Spielen hat der LSK geholt, allein gegen den mittlerweile desolat auftretenden Herbstmeister HSV II gewonnen. Und das, obwohl die Spieler mittlerweile deutlich fitter sein sollen, obwohl der Kader in der Winterpause optimiert wurde und obwohl die Mannschaft mit einer Siegesserie im Herbst Selbstvertrauen getankt hatte.

Obwohl – oder weil? Die Winterneuzugänge erwiesen sich nicht wirklich als Verstärkungen, während zum Beispiel Lukas Hertting mit seinem Kämpferherz wieder schmerzlich vermisst wurde. “In so einem Spiel muss man doch mal den Schweinehund überwinden“, klagte Ostermann, dessen Elf in Meppen in den entscheidenden 30 Minuten deutlich nachließ. Die Diskussion um den umstrittenen Elfmeter, den Meppen zum 2:1 nutzte, hätten sich die Lüneburger sparen können, wenn sie denn vorher ihre Überlegenheit in weitere Tore umgemünzt hätten. Als es darum ging, die letzten Reserven aus sich herauszukitzeln, waren die zuvor enttäuschenden Meppener voll da. Der LSK nicht.

Ostermann kritisierte nicht zum ersten Mal harsch die Offensive. Das Zusammenspiel im Angriff fehlt seit Wochen in der Tat ebenso wie die Entschlossenheit beim Abschluss. Zu viele Offensivspieler scheinen zurzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt zu sein. Aber der LSK muss als eine Einheit in die letzten sieben Saisonspiele gehen. Diese Einheit zu schaffen, Leute aus ihrem Tief herausholen, das ist jetzt vordringlich Ostermanns Job. Das wird schwer genug.

Der LSK steht vor einem harten Restprogramm mit Partien gegen die beiden Titelkandidaten Wolfsburg II und Bremen II, mit Endspielen gegen Oldenburg und Cloppenburg und mit drei Fahrten zu den Braunschweiger Clubs sowie nach Flensburg. Die Verantwortlichen haben den Kader in den vergangenen neun Monaten kräftig umgekrempelt und sind dabei volles Risiko gegangen. Regionalligareif ist diese Mannschaft sicherlich – aber sie muss ihr zweifellos vorhandenes Potenzial auch mal wieder über 90 Minuten abrufen können. Denn wenn der LSK tatsächlich absteigen sollte, wird der nächste Umbruch unvermeidlich sein. Viele der „alten“ Lüneburger sind weg, viele der Neuen werden den Gang in die Oberliga sicher nicht mitmachen wollen – es könnte also sehr bald wieder bei Null losgehen. Und das nun definitiv ohne die unnötig verspielten Einnahmen aus dem DFB-Pokal.

Andreas Safft