Mittwoch , 28. Oktober 2020

Ein Spiel, keine Arbeit

Was für eine unsinnige Diskussion! Amateurfußballer fallen nicht unter die Mindestlohnregelung – das hat jetzt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles klargestellt. Und damit kann man nun auch beim Regionalligisten Goslarer SC 08 wieder trainieren. Die Fußballwelt ist nicht untergegangen, und einige Leute haben ihren Namen einige Male mehr in den Medien lesen können.

„Wir haben alles erreicht, was wir wollten“, erklärte Goslars Club-Mäzen Folkert Bruns. Sein Club hatte pressewirksam das Training zu einer freiwilligen Angelegenheit erklärt, um ja nicht erst in Mindestlohn-Zahlgefahr zu geraten. Mancher Konkurrent spottete da bereits, dass es offenbar auch schon vorher um den Trainingsfleiß der Harzer nicht ganz so gut bestellt war. Ähnlich gewettert hatte auch Havelses Manager Stefan Pralle. Ein umtriebiger Mann. Aber auch ein Mann, der die Regeln der Lobbyarbeit genau kennt und weiß, wann man über welchen Missstand am besten aufheulen sollte. Nun ist Goslars Trainingsbetrieb wieder eine Pflichtveranstaltung, und Havelse kann sich um die nächste Ungerechtigkeit im deutschen Fußball kümmern.

Andrea Nahles durfte einmal mehr die Politikerin mit sozialem Anlitz geben. Aber hatte sie eine Wahl? Es gibt Fußballer, die mit ihrem Sport nicht zu knapp Geld verdienen – die nennen sich Profis und dürften über einen Stundenlohn von 8,50 Euro müde lächeln. Und es gibt von der Regionalliga abwärts Fußballer, die ihren Sport vor allem als Hobby betreiben. Zum Teil sehr intensiv und mit großem Ehrgeiz, vielleicht auch in der Hoffnung, irgendwann einmal Profi werden zu können. Aber Fußball sollte für sie trotzdem vor allem ein Spiel bleiben. Etwas, das nicht hauptsächlich unter die Kategorie Kosten und Nutzen fällt.

Nachdem die Aufregung sich nun erledigt hat, können sich die Vereine beim Thema Mindestlohn lieber um die Leute kümmern, die ihn wirklich nötig hätten: vom Platzwart bis zum Jugendtrainer. Aber mit dem Fußvolk kann man nicht so herrliche Schlagzeilen produzieren.

Andreas Safft