Freitag , 30. Oktober 2020

Alles wird gut

Olympische Spiele in Hamburg sind eine große Chance für den ganzen Norden. Olympische Spiele sind praktisch kostenlos zu bekommen, könnten Hamburg weltberühmt machen und den Sport in der Region gewaltig voranbringen. Olympische Spiele lassen Blinde bestimmt auch wieder sehen und Lahme laufen. Die Olympiabegeisterung scheint zurzeit ins Unermessliche zu wachsen – was aber aber wirklich dran an diesem Fieber?

In diesem Monat wird in Hamburg und Berlin per Umfrage ermittelt, wie groß die Zustimmung für Olympische Spiele in der Bevölkerung ist. Wer da nicht die deutliche Mehrheit der Bevölkerung hinter sich schart, kann seine Pläne ebenso wie zuletzt München in die Tonne treten. Deshalb putzen Hamburger Politiker, Sportfunktionäre und Vertreter aus der Wirtschaft derzeit so fleißig die Klinken. Deshalb springen sogar die Lüneburger Oberen auf den Olympia-Zug, träumen von Volleyballspielen im Zeichen der fünf Ringe und einem Fußballstadion an der Ilmenau. Olympia schafft alles – oder?

Die Hamburger haben gute Chancen, im Rennen um Olympia 2024 zumindest den nationalen Mitbewerber Berlin auszustechen. In der Hauptstadt begeistert man sich für die olympische Idee zurzeit in etwa so sehr wie für den Rumpelfußball von Hertha BSC. Kürzlich luden die Befürworter zu einem Lauf für Olympia vom Brandenburger Tor zum Alex – von 3,4 Millionen Einwohnern erschienen 80… Hamburg dagegen, die angeblich schönste Stadt der Welt, zeichnet ein ausgeprägter Lokalpatriotismus und eine unverminderte Lust auf Großevents aus. Immer nur Hafengeburtstage, Harley-Days und Schlager-Moves, das ist doch langweilig. Da können es zur Abwechslung doch mal Olympische Spiele sein?

Vorangetrieben wird dieser Gedanke vor allem von den Sportorganisationen mit DOSB-Chef Alfons Hörmann an der Spitze. Fast scheint es, als wolle der DOSB allzu ungemütliche Diskussionen über das schlechte Abschneiden bei den vergangenen Olympischen Spielen mit einer neuen Bewerbung beenden. Nach dem Motto: Bekommen wir den Zuschlag, dann wird alles wieder gut. Die Kosten-Nutzen-Rechnungen sehen auch prima aus. Ebenso wie einst für die Elbphilharmonie, die dank privater Gelder den Steuerzahler angeblich keinen Cent kosten sollte.

Aber weder Hamburg noch Berlin werden den Zuschlag für 2024 bekommen, allein schon, weil im gleichen Jahr höchstwahrscheinlich die Fußball-EM in Deutschland stattfinden wird. Die ganze Kampagne ist allenfalls ein Warmlaufen für 2028 mit höchst ungewissem Ausgang. Die letzten fünf deutschen Bewerbungen sind allesamt krachend gescheitert. Der Hochleistungssport mit all seinen unschönen Begleiterscheinungen von Doping bis Korruption hat gerade hierzulande ein immer größeres Glaubwürdigkeitsproblem. Wie verlockend einfach wären für das IOC dagegen Spiele beispielsweise in Katar, wo weder Geldknappheit noch Proteste der Einwohner zu befürchten sind?

Wer kann dem Lüneburger Sport da ernsthaft einen Schub versprechen, wenn Hamburg mit ganz viel Glück in sechs Jahren den Zuschlag für Spiele bekommen sollte, die dann in 13 Jahren stattfinden? Lüneburg braucht jetzt eine große Halle, in der auch Bundesliga-Volleyball gespielt werden kann. Lüneburg braucht jetzt eine Arena für Konzerte, Veranstaltungen und Fußball – und nicht in 13 Jahren.

Andreas Safft