Sonntag , 27. September 2020

Armutszeugnis für Lüneburg

So bitter das für die Fans klingt: Aus sportlicher wie wirtschaftlicher Sicht hat der Lüneburger SK richtig gehandelt. Es gibt in unserer Region definitiv keine geeignete Sportanlage, auf der das Halbfinale im NFV-Pokals gegen den SV Meppen steigen kann. Also tritt der LSK das Heimrecht an die Emsländer ab, um eine große Kulisse und eine gute Einnahme für beide Seiten zu sichern. Das ist nur konsequent – beweist aber einmal mehr, wie sehr Lüneburg ein ordentliches Stadion braucht. Beileibe nicht nur für den LSK.

Der aktuelle Standort Bardowick war nie eine Alternative für das Meppen-Spiel. Erstens, weil der Verband ohnehin ein Veto eingelegt hatte. Zweitens, weil diese Anlage kaum mehr als 1500 Fans aufnehmen kann, wie zum Beispiel die Regionalliga-Partie gegen den FC St. Pauli II aufgezeigt hat. Der Platz wird auch in Zukunft allenfalls für den Alltag, nicht aber für Top- oder Risikospiele geeignet sein. Ein Ausweichen nach Hamburg ins Stadion Hoheluft wäre wohl wie schon das Punktspiel gegen Hannover 96 II ein Zuschussgeschäft geworden. In Meppen wird man nun mit gut 3000 Fans rechnen. Eine Einnahme in fünfstelliger Summe für beide Vereine scheint dann sicher.

Dazu lohnt ein Blick auf die Regionalliga-Tabelle: Meppen holte zu Hause 13 Punkte, auswärts 20. Die Emsländer lassen lieber den Gegner das Spiel machen, um ihn dann eiskalt auszukontern – so gewannen sie auch beim LSK mit 3:1. Die Chancen des LSK auf einen Sieg und damit auf das große Geld im DFB-Pokal sinken also nicht mit dem Heimrechttausch. Im Gegenteil. Vom SV war zu hören, dass der dortige Vorstand über den Heimrechttausch deutlich begeisterter war als die Mannschaft.

Sollte der LSK in der kommenden Saison tatsächlich wieder einen Proficlub im DFB-Pokal begrüßen dürfen, dann wird sich die Stadion-Frage endgültig wieder auf die Tagesordnung der Lüneburger Politik ganz nach oben drängeln. Selbst einen kleinen Zweitligisten à la SV Sandhausen wird der Regionalligist definitiv nicht in Bardowick begrüßen können. Der Klub gibt sich im Augenblick alle Mühe, professionelle Strukturen zu schaffen, um sich in der Regionalliga zu etablieren. Es muss auch im Interesse der Stadt liegen, eine konkurrenzfähige Veranstaltungsstätte zu schaffen. Für große Konzerte fährt der Fan zurzeit in die Weltmetropole Uelzen, für große Fußballspiele demnächst nach Meppen – es ist ein Armutszeugnis für Lüneburg.

Vorerst kann der LSK nur in der Liga weiter Reklame für sich machen, damit möglichst viele Fanbusse gut gefüllt über Ostern Richtung Emsland starten. Wenn die Lüneburger dann vor einer großen Kulisse gewinnen, haben sie wirklich alles richtig gemacht. Und dann können alle Beteiligten noch ihren Enkelkindern erzählen: „Weißt du, 2015 in Meppen…“

Andreas Safft