Montag , 28. September 2020

Fußball und Sonstiges

„Die Königsklasse des Amateurfußballs“ – so nennt der Fernsehsender Sport 1 die Fußball-Regionalliga, überträgt bis zu 20 Partien pro Saison live. Vorwiegend aus der West-Staffel, in der sich mit Clubs wie Alemannia Aachen, RW Essen, RW Oberhausen, KFC Uerdingen und SG Wattenscheid die Tradition ballt. Nun aber ist auch mal der Norden dran – in Gestalt der Partie SV Meppen – FC St. Pauli II, die extra auf Montag, 20.15 Uhr, verlegt wurde. Zeigt da ein Sender tatsächlich ein Herz für die Amateure?

Die Quoten haben zumindest bei den ersten Übertragungen gestimmt. Und Sport 1 gibt sich durchaus Mühe, sein Produkt aufzuhübschen, ohne in Peinlichkeiten zu versinken wie zuletzt RTL bei der Berichterstattung rund um die Nationalelf. Meppens Zweitliga-Historie gibt ja schon genügend Stoff her – da schaut man auch mal großzügig darüber hinweg, dass die Partie zwischen dem Zehnten und dem Achten erstens sportlich nicht fürchterlich viel hergibt und zweitens definitiv auch nicht als emotionsträchtiges Derby durchgeht.

Aber der Sendetermin war halt wegen der Länderspielpause frei. Und es gibt ohnehin nur eine äußerst begrenzte Zahl an Nord-Regionalligisten, wo sich die Kameras aufbauen lassen. Ein ausreichend starkes Flutlicht ist ebenso nötig wie die nötige Ausrüstung für die Übertragung – Livebilder vom LSK wird es daher allein schon aus technischen Gründen nicht geben. Überhaupt eignen sich nur ganz wenige Stadien: Meppen, Cloppenburg, Lübeck, Havelse – vielleicht noch die eine oder andere Zweitvertretung, wenn sie denn ins große Stadion umziehen kann und will.

Über Sinn und Zweck solcher Übertragungen lässt sich kaum streiten, wenn schon ein Freundschaftskick der C-Elf des FC Bayern gegen eine Brauerei-Auswahl live gezeigt werden, wie unlängst geschehen. Erdiger Viertliga-Fußball hat für viele sportinteressierte Menschen ohnehin einen höheren Unterhaltungsfaktor als der Rodel-Weltcup in Sigulda oder ein Pokerturnier in Las Vegas. Dass zum Beispiel die Handball-Champions-League ins Pay-TV verschwunden ist, erstklassiger Volleyball-, Basketball- oder Eishockey-Sport im Fernsehen auch kaum bis gar nicht von den Sendern wahrgenommen wird, unterstreicht nur die These, dass deutsche TV-Journalisten im Prinzip nur zwei Sportarten kennen: Fußball und Sonstiges.

Ob nun 20 Viertligaspiele pro Jahr mehr oder weniger gesendet werden, ändert am Grundproblem nichts: Der Fernseh-Fußball erschlägt auf Dauer den echten Kick vor Ort. Wenn aber die Übertragung des Spiels in Meppen ein paar Zuschauern zeigt, dass es da auch noch Leben jenseits der Glitzerwelt von Bayern und Dortmund, Real und Barcelona gibt, dann hat die „Königsklasse des Amateurfußballs“ schon von dieser Sendung profitiert.

Andreas Safft