Oberneureich und die Lehren

"Oberneureich" lautete bisher der Spitzname des FC Oberneuland. Doch der Fußball-Regionalligist aus dem vornehmen Bremer Osten hat mittlerweile alles, nur kein Geld mehr. Das Bremer Amtsgericht bestätigte, dass ein Insolvenzverfahren gegen den FCO eröffnet wurde. Und der Liga droht das große Chaos.

Warum?`Eigentlich müssten nun, wenige Tage vor dem Saisonende, alle Ergebnisse des FC Oberneuland aus der Tabelle herausgerechnet werden. Dann wäre plötzlich nicht mehr Kiel, sondern Havelse Spitzenreiter. Und nicht Victoria Hamburg, sondern der SV Wilhelmshaven wäre Letzter und würde vor dem Abstieg stehen. Vor dem Absturz - denn der SVW hat keine Zulassung für die Oberliga beantragt.

Doch es kann auch anders kommen. Steigen Kiel oder Havelse auf und gibt es nicht noch eine böse Überraschung beim finanziell schwer angeschlagenen VfL Osnabrück, dann gibt es in dieser Saison nur zwei Absteiger. Und die stehen mit den Pleiteclubs Lübeck und Oberneuland fest.

Ein ähnliches Bild eine Klasse tiefer: Im Vorjahr stiegen Emden, Nordhorn und Osterholz/Scharmbeck mehr oder weniger freiwillig aus der Oberliga aus, jetzt sind es Holthausen/Biene, Langenhagen und Heeslingen. Wenn nichts von oben kommt oder wenn sich der Niedersachsen-Vize in der Relegation durchsetzt, wird es zum zweiten Mal in Folge keinen sportlichen Absteiger geben. Neulinge wie Uphusen und Wunstorf werden die Attraktivität der Oberliga auch nicht unbedingt heben. Was läuft hier nur verkehrt ?

Die nächste Ligareform, gleich welcher Art, wird das Grundproblem nicht beheben. Zum einen haben sich die Clubs in der Regionalliga wie in der Oberliga durch Misswirtschaft und überhöhten sportlichen Ehrgeiz selbst in ihre Lage gebracht. Zum anderen geht der Amateurfußball auf gehobenem Niveau überall vor die Hunde, wo sich Fans nur noch für die bunte Bundesliga-Welt interessieren, wo Sponsoren lieber der 37. Co-Sponsor eines Proficlubs sind, als den kleinen Verein vor Ort zu unterstützen.

Die Oberliga kann für den LSK keine Heimat auf Dauer sein, doch auch in der Regionalliga muss vernünftig gewirtschaftet werden. Finanzielle Experimente, das beweisen Emden Co. wieder und wieder, können aber auch ins Verderben führen. Großes mit kleinen Mitteln erreichen, das muss nun das Ziel sein. Anders geht es nicht. Andreas Safft