Donnerstag , 24. September 2020
Kathrin Bensemann fühlt sich besonders wohl. wenn sie durch den Tiergarten laufen kann. Foto: t&w

Mein Wilschenbruch

Sechs Lieblings-Laufrunden haben Kathrin Bensemann und Andreas Safft in den vergangenen Wochen vorgestellt. Nun wollen die beiden auch verraten, wo sie gern unterwegs sind – Runden, die sich leicht nachlaufen lassen. Andreas Safft hat den Anfang gemacht, heute ist seine Kollegin dran, die am liebsten den Tiergarten unsicher macht.

Nur einmal im Jahr kommt es vor, dass ich Abschnitte meiner Lieblingsstrecke durch den Wilschenbruch verfluche: Wenn der Startschuss zum Tiergarten-Lauf fällt und ich einzig und allein der Zeit hinterher renne, statt im Laufschritt die Natur um mich herum zu genießen. Dann ziehen sich die knackigen Anstiege parallel zur Ostumgehung gefühlt noch länger – und viel steiler als sonst sind sie auch. Doch Gefühl und Atmosphäre im Ziel entschädigen für alles, jedes Mal aufs Neue.

Und in diesem Jahr? Da würde ich nun einiges dafür geben, wieder den Startschuss zu hören. Am Sonntag, 13. September, wäre es soweit gewesen, doch Corona hat auch den beliebten Volkslauf des MTV Treubund platzen lassen. Die Wettkämpfe fehlen mir, die Treffen mit all den anderen verrückten Gleichgesinnten sowieso – und so machte sich am Sonntag auf meiner Runde tatsächlich Wehmut breit.

Im Kurpark geht’s los

Mein Lieblingskurs verbindet Hasenburger Wald und Wilschenbruch: Start ist der Kurpark-Brunnen. Von hier geht’s mit einem Schlenker vorbei an Kurzentrum und Gradierwerk über den Arthur-Illies-Weg zur Grundschule Hasenburger Berg. Von hier laufe ich über die Soltauer Straße auf die Jugendherberge zu, hinter der links ein schmaler Weg direkt ins Lauf-Paradies führt.

Schon hier sind Fußballer und Fans vom nahe gelegenen MTV-Platz in der Hasenburg zu hören, der Ball rollte am Wochenende endlich wieder. Ich folge den Stimmen und laufe an der Gabelung links auf den Hauptweg, auf dem ich bis zur Unterführung der B4 bleibe. Dieser Abschnitt ist besonders schön, meist wenig frequentiert und führt mal ganz nah, mal etwas weiter entfernt am Hasenburger Bach entlang. Gerade im Sommer ist es hier besonders schattig und fast etwas verwunschen.

Von der Unterführung aus geht‘s weiter zum Forsthaus Rote Schleuse. Hier kann man alternativ zur Straße unterhalb des Gasthofs einen schmalen Pfad in Richtung Brücke laufen. Weiter geht es über die Ilmenau noch ein Stück an der Straße entlang und dann links in Richtung Parkplatz und gleich wieder scharf rechts weg auf den Waldweg parallel zur Ostumgehung. Hier befinden sich besagte Anstiege, die ich wie viele andere Läufer gerne für Bergintervalle nutze.

Viele tierische Zuschauer

Am Ende biege ich links auf den breiten Hauptweg – und weil ich ja Anstiege so mag, gleich bei der nächsten Möglichkeit wieder links. Auf dieser Querverbindung geht’s schnurgerade, aber recht hügelig zwischen den Bäumen hindurch. Ein Geheimtipp, wie ich finde. Nun geht’s rechts weiter zur Teufelsbrücke, auch hier lohnt ein Zwischenstopp, bevor ich die Ilmenau wieder überquere und anschließend an der Gabelung rechts und gleich wieder links (am Krötenwarnschild) zu den Bockelsberg-Teichen laufe. Wenn es mich packt, laufe ich hier gerne meine Temporunden – eine klasse Alterative zur Tartanbahn. Und viele (tierische) Zuschauer hat man auch.

Entflammt ist meine Wilschenbruch-Liebe übrigens 1997, als ich in meine erste eigene Wohnung im Roten Feld zog, hier begann ich auch intensiver zu laufen – und bin vor meinem ersten Marathon 1999 (ist es echt so lange her?!) in Berlin so gut wie jeden Weg hier im Training abgerannt. Ohne GPS. Orientierung gaben Bäume, Bänke oder Brücken, an denen ich mit Blick auf meine simple Stoppuhr jedes Mal Zwischenzeiten miteinander verglich. Gefinisht habe ich nur diesen einen Marathon (3:55:51), bei dem ich immerhin die Startnummer 4711 hatte, der zweite endete im Feuerwehrauto, aber das ist eine andere Geschichte. Heute renne ich am liebsten den Zehner und Halbmarathon.

Aber zurück auf die Zielgerade: Von den Teichen geht’s über den Hauptweg zum Forsthaus. Heute nehme ich noch links den „Berg“ hoch in Richtung Leuphana mit, laufe sonst aber meist unten parallel zur Ilmenau. Über die Unterführung geht es zurück auf die Uelzener Straße und in den Kurpark. Hier flitze ich oft noch zwischen den Tennisplätzen des THC hindurch, vorbei am Minigolf-Platz und beende die Runde mit einem Schlenker über den Platz vor der Konzertmuschel wieder am Brunnen. 10,5 richtig schöne Kilometer kommen da zusammen – die den Kopf mitten in der Stadt so richtig schön frei machen.

One comment

  1. Das ist eine sehr schöne Artikelserie, die Abwechslung in mein Läuferinnenleben bringt. Denn ich probiere jetzt alle beschriebenen Runden nach und nach wiederholt aus.

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