Georg Knacke verstarb im Alter von 55 Jahren. Foto: t&w

Einer, den alle mochten

Für einen wie Georg Knacke muss das Wort "Urgestein" erfunden worden sein. Mit sechs Jahren trat der kleine "Schorsch" auf der Hasenburg erstmals gegen den Ball, mit 55 Jahren kümmerte er sich als Betreuer immer noch um die Landesliga-Fußballer der SV Eintracht Lüneburg. Dass der Defensivspezialist zwischendurch einmal drei Spielzeiten für den Erzrivalen LSK spielte, nahm ihm bei der Eintracht niemand krumm. Jetzt ist Knacke plötzlich und unerwartet gestorben. Seine Frau Gabriele und Tochter Nathalie trauern um ihn – genau wie zahllose Weggefährten.

Keine vier Wochen ist es her, dass er auf der Hasenburg zu einem Pressetermin erschien – sein letztes Gespräch mit der LZ. Fit wie ein Turnschuh wirkte er da, sprach von einer Pause, die er jetzt  als Betreuer einlegen wolle. Für Interviews mit Knacke musste man immer viel Zeit mitbringen. Denn er kannte jeden auf der Hasenburg, jeder mochte ihn, alle wollten mit ihm ein bisschen plaudern. Klar, dass er auch bei diesem Termin ein alkoholfreies Weizen spendierte. Knacke war immer großzügig und freundlich, eine Seele von einem Menschen.

Er fing als Mittelfeldspieler an, hatte bald aber seinen Stammplatz in der Abwehr sicher, als Manndecker alter Schule oder auch als Libero. Torgefährlich war der 1,87 Meter lange Schlacks allein schon durch seine Kopfballstärke. Mit zarten 21 Jahren traf Knacke zweimal für die Eintracht beim 3:1 in Soltau, sorgte so 1986 für die Rückkehr der Eintracht in die Landesliga Ost. Und der langjährige Kapitän trat über viele Jahre auch zu den Elfmetern an. "Da darfst du nicht lange überlegen, sondern einfach nur schießen", lautete sein Credo.

Acht Jahre später wechselte er zum LSK, spielte insgesamt 64 Mal in der Regionalliga, erzielte zwei Tore.  Am Ende erlebte er zwar den Abstieg mit. Aber: „Es war eine schöne Zeit. Ich durfte immerhin gegen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig spielen.“

Sein Herz und seinen Mitgliedsausweis hatte er aber bei der Eintracht gelassen. Mit 40 Jahren gelang ihm der zweite Landesliga-Aufstieg. Trainer Jens Lorbach hatte ansonsten eine blutjunge Truppe zusammengestellt, verließ sich, wenn Not am Mann war, aber immer wieder auf den alten Kämpen. Mit 42 wollte Knacke endgültig aufhören. „Aber nach einem 1:6 gegen Bornreihe meinte Jens zu mir nur: ,Georg, ab Montag trainierst du wieder mit‘ - und schon stand ich wieder auf dem Platz“, verriet er bei seinem letzten Interview.

Ein Freundschaftsspiel gegen Hannover 96 wurde der würdige Rahmen für seinen Abschied, mit den Senioren wurde er noch einmal Vize-Landesmeister. Danach blieb Knacke seinem Team als Co-Trainer und später als Betreuer gemeinsam mit seinem langjährigen Mitspieler Hagen Marckmann aber erhalten. Bis zuletzt.

Dass die Eintracht gerade komplett auseinanderfiel und nun in der Bezirksliga neu anfangen muss, machte ihm schwer zu schaffen. "In den letzten 20, 30 Jahren wurde bei der Eintracht im Nachwuchs sehr viel versäumt“, monierte Knacke, der sich bis zuletzt eine Zusammenarbeit der Lüneburger Vereine zumindest in der Jugend sehr gewünscht hätte.

Knacke war Einträchtler durch und durch, war aber auch auf jedem anderen hiesigen Fußballplatz ein gern gesehener Gast. "Schorsch" wird dem Lüneburger Fußball fehlen – vor allem, aber nicht nur auf der Hasenburg.

Andreas Safft