Dienstag , 29. September 2020
Roman Razza fordert genau wie seine Trainerkollegen, dass die Verbandsvertreter die Meinungen der Vereine auch tatsächlich in ihre Entscheidungsfindung einfließen lassen. Foto: be

„Die Basis sollte entscheiden“

Der Plan des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV), die unterbrochene Saison im August oder September fortzuführen, wird unter Spielern und Trainern heiß diskutiert. Einige stimmen dem Vorschlag zu, viele befürworten aber einen sofortigen Abbruch der Saison. Um Meinungen einzuholen, hat der NFV-Kreis Heide-Wendland am morgigen Mittwoch zu einer Videokonferenz aller Vereine um 19 Uhr eingeladen. Wir haben uns schon mal bei den hiesigen Trainern und Vereinsvertretern umgehört.

Sören Hillmer (MTV Treubund):
Wir sind im Moment allem ausgeliefert. Es bringt nichts, sich darüber aufzuregen. Ich möchte nicht in der Haut der Entscheider stecken, das sind die ärmsten Schweine. Denn du kannst es nie allen recht machen. Es wird bei so einer Sache immer Gewinner und Verlierer geben. Was sollen sie denn machen? Uns zum Meister, weil wir in der Hinrunde vorne standen? Oder Rotenburg, weil sie beim Abbruch vorne standen? Wir würden natürlich gerne die Saison zu Ende spielen. Das wäre am gerechtesten. Was viel mehr nervt: Wir wollen zurück auf die Plätze. Wir machen Challenges und Cybertraining. Aber das ersetzt nicht den Trainingsalltag.

Roman Razza (TSV Bardowick):
Der Verband ist dafür da, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten. Also sollte unter allen Vereinen abgestimmt werden – transparent und ehrlich. Die Basis sollte entscheiden und der Verband sich danach richten. Ich bin für einen Abbruch der Saison. Nach einem halben Jahr Unterbrechung die Saison fortzusetzen, wäre Wettbewerbsverzerrung, da sich die Spielerkader wegen beruflicher Umorientierungen ändern. Bei uns wären vier, fünf Spieler aus dem jetzigen Kader gar nicht mehr vor Ort. Ich habe alle meine Spieler befragt: Alle sind für einen Abbruch. Die beste Lösung wäre: Wer auf einem Aufstiegsplatz steht, darf aufsteigen, aber keiner muss absteigen. In der nächsten Saison gäbe es dann entsprechend mehr Absteiger. Weil man durch die vergrößerten Ligen mehr Spieltage braucht, könnte man ja in der nächsten Saison die Pokalwettbewerbe streichen.

Frank Kathmann (TuS Barendorf):
Für mich wird da vom Verband zu viel Wind gemacht. Ich bin dafür, die Saison abzubrechen und in der nächsten neu anzufangen. Ich habe noch von keinem Trainerkollegen gehört, der die Saison unbedingt zu Ende spielen will. Angenommen, ich hätte jetzt zu fünf, sechs Spielern gesagt: In der nächsten Saison plane ich nicht mehr mit euch. Die würden doch nicht mehr auftauchen, wenn sie in ein paar Monaten plötzlich wieder für uns spielen sollen.

Schelle Assenheimer (SV Wendisch Evern):
Das Virus steht über allem. Meiner Meinung nach kann es erst wieder einen Spielbetrieb geben, wenn es einen Impfstoff gibt. Fußball ist nun mal ein Kontaktsport. Was passiert denn, wenn sich ein Spieler infiziert? Dann muss die ganze Mannschaft in Quarantäne und hat wieder mindestens zwei Wochen Pause. Wie soll das funktionieren? Insofern kann man doch noch gar nicht davon ausgehen, dass ab August/September wieder normal gespielt werden kann. Man sollte die alte Saison offiziell abblasen, dann abwarten, wann wieder regulär gespielt werden kann und eine neue Saison starten.

Oliver Klose (FC Heidetal, nächste Saison MTV Egestorf):
Ich bin für die Annullierung der Spielzeit. Durch die lange Pause ist auch bei den Spielern die Luft raus. Außerdem plane ich für die nächste Saison bei meinem neuen Verein und führe Gespräche mit Spielern. Umsetzen kann ich meine Planung dann erst 2021. Für mich entwickelt sich aus den Pressemitteilungen des Verbandes der Gedanke, dass die Entscheidung bereits gefallen ist. Jetzt gibt es morgen aber noch eine Videokonferenz des Heide-Wendland Kreises, um einem das Gefühl zu vermitteln, Mitspracherecht zu haben.

Martin Einert (TuS Barskamp):
Es muss ein Weg gefunden werden, der aufgrund der Situation vertretbar und sportlich okay ist. Einen Saisonabbruch halte ich für schwierig, da wir beispielsweise noch zwei Spiele weniger absolviert haben als die anderen Clubs. Die Saison im August/September fortzusetzen, ist für mich daher die fairste Lösung und aufgrund der Lage vertretbar. Das Ziel Klassenerhalt würden wir gern auf sportlichem Weg noch erreichen. Die Spieler scharren zwar mit den Hufen und wollen unbedingt wieder spielen und trainieren, aber die Gesundheit aller muss berücksichtigt werden.

Hüsa Sönmez (Lüneburger SV):
Aus Sicht des Fußballers ist die Situation, ein halbes Jahr auf die Fortsetzung der Saison warten zu müssen, großer Mist. Natürlich müssen wir alles dafür tun, damit sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann, und der Sport spielt dabei erstmal eine untergeordnete Rolle. Aber die Spieler sind enttäuscht von der langen Pause, und die ganze Arbeit, die wir im Verlauf der Saison geleistet haben, ist verpufft. Ich hätte mir Lockerungen gewünscht, dass der Trainingsbetrieb freigegeben wird oder dass man Spiele ohne Zuschauer austragen kann.