Die Lüneburger Sportlerehrung wurde abgesagt. Foto: t&w

Sport ist Luxus

Zugegeben, auch ich wäre gern zur Sportlergala gegangen, hatte mich für den Schiffshebewerk-Volkslauf in Scharnebeck angemeldet - ein letzter Test vor meinem Marathon Anfang April, der inzwischen auch abgesagt wurde. Alles wegen Corona. Alles nur Panikmache?

Es geht nicht um mich oder um dich. Es geht um uns alle. Darum, dass wir nicht italienische Verhältnisse erleben. Darum, dass nicht Hunderttausende auf einmal krank werden oder sich krank fühlen und unser Gesundheitssystem so praktisch lahm legen. Vielleicht redet in sechs Wochen niemand mehr von Corona, vielleicht wird uns das Virus noch viele Jahre beschäftigen.

Vielleicht ist das Virus tödlicher als die reguläre Grippe, vielleicht für die allermeisten Menschen harmlos wie ein Schnupfen. Wer weiß das schon? Nicht einmal die Experten, die ihre Weisheiten seit Wochen gebetsmühlenartig wiederholen.

Und trotzdem sollte das normale Leben weitergehen. Arbeit, wenn angesagt, auch mal von zu Hause, Ausbildung, Schule - alles ist wichtiger als eine Gala oder ein Lauf, wichtiger selbst als ein Fußballspiel, auch wenn da viele Fans energisch widersprechen werden. Wenn wir uns alle zitternd unter der Bettdecke verstecken, bricht das öffentliche Leben zusammen.

Man kann sich auch auf der Bahnfahrt zum Job oder in der Schule anstecken. Doch mit jedem vermeidbaren Kontakt - zum Beispiel bei Sportveranstaltungen oder Festen - wächst die Gefahr einer Ansteckung. Man kann nicht alle Infizierungen verhindern, aber die Wahrscheinlichkeit verringern. Darum sollte es uns allen gehen.

Was muss an Kontakten sein, was ist Luxus? Das ist ein Prozess des ständigen Abwägens, den uns Landes- und Kreisbehörden nicht immer abnehmen können. Egoismus ist da nicht angesagt. Kein: Ich habe mich so aufs Fest gefreut. Und kein: Ich habe doch so hart trainiert. Ich tröste mich erst einmal damit, dass das Gesündeste am Marathon eh die Vorbereitung ist.

Andreas Safft