Montag , 21. September 2020
Ioannis Kafetzakis (l.) und Hartmut Lenz wollen die SV Eintracht in der Landesliga halten. Foto: t&w

Zurück in die Zukunft

Von der glorreichen Vergangenheit der SV Eintracht Lüneburg zeugen viele Mannschaftsfotos, die im Clubheim aufgehängt sind. Ioannis Kafetzakis (61) ist mit feschem Schnäuzer auf einem Bild zu finden, das unverkennbar in den späten Siebzigern aufgenommen wurde. Auf einer Aufnahme aus den Achtzigern findet sich Hartmut Lenz (62) sofort. Nun sollen die beiden Urgesteine als Trainerduo dafür sorgen, dass die Eintracht auch eine Zukunft in der Fußball-Landesliga hat.

„Die Mannschaft soll nicht absteigen. Für mich ist am 30. Juni definitiv Schluss“, betont Kafetzakis. Ihr erster Auftritt soll am morgigen Freitag (19.30 Uhr) daheim gegen den Lokalrivalen VfL Lüneburg steigen.

Die Zwei haben sich um den Job nicht gedrängt, doch die Not war groß. Ihr Vorgänger Christopher Hehl hatte seinen Abschied zum Sommer aus persönlichen Gründen erklärt, wirkte amtsmüde, verlor mehr und mehr den Rückhalt im Team. „Ich wollte mir das nicht antun“, erzählt Kafetzakis. „Aber meine Frau meinte, dass ich die Eintracht nicht im Stich lassen darf. Und mein Sohn hat mich auch überredet.“ Innenverteidiger Panagiotis kam schließlich auf Empfehlung des Papas zur Eintracht, erstmals überhaupt trainiert nun Kafetzakis senior seinen eigenen Sohn.

Doch den Trainer Kafetzakis gibt es nicht ohne den Trainer Lenz und umgekehrt. Lenz coachte die Eintracht schon einmal fast drei Jahre, die Zusammenarbeit endete im März 1994 mit einer Pressemitteilung des damaligen Vorstands, ohne den Trainer im Voraus zu informieren. „Typisch Eintracht“, meint der damals Geschasste nur spöttisch. „Aber eigentlich habe ich hier eine schöne Zeit gehabt.“ Auch er geht fest davon aus, dass er am 6. Juni gegen seinen alten Club Rotenburger SV das letzte Mal auf der Bank sitzen wird.

Kafetzakis und Lenz kickten erst ab der Alten Herren zusammen, laufen noch heute zusammen für die Ü50 auf. Und beide schauten regelmäßig bei der 1. Herren zu. „Die Spieler waren schon erstaunt, wie gut wir die Mannschaft kennen“, meint Lenz. Dass in der ersten Trainingswoche mit den beiden Routiniers vor allem Spielformen auf dem Programm standen, kam laut Kafetzakis im Kader gut an: „Die wollen Fußball spielen und nicht über Hütchen hüpfen.“

Beide Trainer haben Stärken und Schwächen des Landesliga-Zwölften schnell ausgemacht. Die Qualität des Kaders sollte allemal ausreichen, um Platz zwölf mindestens zu halten, „solange nicht noch mehr Spieler ausfallen“, wie Kafetzakis betont.

Lennart Holzhütter steht schon länger nicht mehr zur Verfügung, Grant Conybear tritt Ende März in seiner Heimat USA einen neuen Job an. Umso wichtiger ist es, dass der Rest so schnell wie möglich die neue Spielphilosophie umsetzt. „Entscheidend ist das saubere Passspiel in den Fuß“, findet Lenz. Und: „Sie schießen zu wenig.“ 42 Gegentore in nur 17 Spielen zeugen von einem Problem auch in der Defensive. Immerhin wurden Offensivspieler wie Ali Moslehe oder Phillip Gruhn in den ersten Tests sogar am eigenen Strafraum gesehen – der Wille ist also da.

Und das Team ist intakt, davon sind beide überzeugt. Zuletzt trafen sich alle zum Billard bis nachts um ein Uhr. „Keiner ist vorzeitig gegangen“, stellt Kafetzakis fest. Gehen werden zum Saisonende allerdings einige, etwa Kapitän Bennet Lorenzen (Scharnebeck), Holzhütter und Raphael Thinius (beide Bardowick).

Zerfällt die Eintracht? Lenz befürchtet es schon ein bisschen angesichts der starken lokalen Konkurrenz. Aber er stellt klar: „Wir kümmern uns nur um die aktuelle Mannschaft. Einen neuen Trainer präsentieren, das Umfeld sortieren – das ist Aufgabe des Vorstands.“