Sonntag , 27. September 2020
Wollen einen Jugendförderverein für die besten Lüneburger Fußballvereine aus der Taufe heben: (v.l.) Mike Oelfke, Ralf Sievers, Philipp Meyn, Manfred Vogt, Christoph Steiner und Manfred Nitschke. Foto: be

Kräfte im Jugendfußball bündeln

Beim Fußball gucken im altehrwürdigen Schallander am Stint entstand die Idee beim gemeinsamen Bier. Oft verschwinden solche Ideen schnell wieder in der Versenkung. Doch diesmal wurde es mehr als nur eine Stammtischparole. Denn sechs Lüneburger Fußballinteressierte machen ernst: Sie wollen einen Jugendförderverein gründen. In Lüneburg? Wo LSK, Eintracht und der MTV Treubund eine seit Jahren bekannte Abneigung ausleben? Wo der LSK und der VfL gerade im Unfrieden auseinander gegangen sind? Wie soll das denn gehen?

„Es ist nie zu spät, etwas Gutes für Lüneburg zu entwickeln“, sagte Manfred Nitschke, ehemaliger LSK-Trainer. „Wir haben Jugendfußball auf hohem Niveau. Aber es geht besser, wir wollen die Kräfte und Ressourcen bündeln“, sagt Christoph Steiner, ehemaliger Chefredakteur der LZ und ebenso langjähriger Kenner der Lüneburger Fußball-Szene. Gemeinsam mit Lüneburgs Fußball-Legende Ralf Sievers, letzter Bundesliga-Profi aus Lüneburg, Manfred Vogt, ehemaliger sportlicher Leiter in der MTV-Jugend, Mike Oelfke, ehemaliger Jugendtrainer beim LSK und Philipp Meyn, gerade frischgebackener Altherren-Pokalsieger mit dem TSV Gellersen, SPD-Ratsherr und Mitglied des städtischen Sportausschusses, sind sie auf die Vereine zugegangen, um auszuloten, ob Interesse besteht.

Dass sie Brücken bauen mussten zwischen den Vereinen, das wussten Vogt und seine Mitstreiter. „Und wir waren nicht sehr optimistisch. Aber alle waren interessiert.“

Alle, das heißt das Sextett, sprach mit Verantwortlichen beim LSK, beim MTV und beim VfL, weil die drei Clubs den hochklassigsten Fußball in der Jugend repräsentieren. Alle drei Clubs sagten zu, einer Infoveranstaltung beizuwohnen.

Und es wurden namhafte Referenten gefunden. Hauptredner ist Carsten Schult, ein Jahrzehnt lang Vorsitzender des Jugendfördervereins Ahlerstedt/Ottendorf/Heeslingen. Die A/O-Teams haben in vielen Klassen den Lüneburger Vereinen längst den Rang abgelaufen. So spielte A/O in dieser Saison in der U17 in der Regionalliga und mit der zweiten Mannschaft auch noch in der Niedersachsenliga. Lüneburger Vereine in beiden Klassen? Fehlanzeige.

Zweiter Referent ist Stefan Wulf vom VfB Oldenburg, einer der führenden Kräfte im JFV Nordwest, in dem neben dem VfB auch der VfL Oldenburg sind. Zugesagt hat auch der Melbecker Jürgen Stebani. Der Spielausschussvorsitzende im NFV kennt sich im Verband bestens aus, will, wenn zeitlich möglich, einen weiteren NFV-Experten mitbringen. Im Zeitraum vom Mitte Juli bis Mitte August soll ein Termin gefunden werden. „Die Vereine müssen und sollen eingebunden werden. Wir wollen nur anschieben“, sagt Meyn.

Als Politiker weiß er, wie sinnvoll eine Bündelung der Kräfte im Sport ist. „Der Fußball hat nicht die größte Lobby in der Stadt“, so der SPD-Mann. Der ehemalige LSK-Kicker sagt auch: „Das liegt zum großen Teil auch an den Vereinen selbst.“ Neben der Politik kommt auch die Wirtschaft ins Spiel, denn Oelfke weiß, „dass so eine übergeordnete Idee gut ankommt bei Firmen, die bewusst Geld für Jugendarbeit geben wollen“.

Deshalb geht das Sextett nun an die Öffentlichkeit, um „zu vermitteln und zu begleiten“, so Vogt. Als Starttermin erhoffen sich die Initiatoren die Saison 2020/21. Am besten mit A- und B-Jugend-Teams. „Wir wollen keinem etwas aufstülpen“, betont Steiner. Deshalb gibt es den ersten Infoabend mit ergebnisoffenem Ausgang. Nitschke fasst treffend zusammen: „Begegnung schafft Akzeptanz.“ Denn das ist das Wichtigste bei der JFV-Idee: Die Vereine sollen miteinander und nicht übereinander reden.