Samstag , 19. September 2020
Yvonne Paro läuft besonders gern auf den Feldwegen nördlich von Bardowick, gut 15 Kilometer lang ist ihre Runde. Foto: t&w

Vom Laufschritt in den Handstand

Bardowick. Der Handstand am Ende ihrer Laufrunde ist für Yvonne Paro zum Ritual geworden. „Den kann ich noch aus meiner Jugend als Turnerin“, sagt die 36-Jährige. Seit vier Jahren ist sie der Laufliebe verfallen. „Da bin ich wirklich für mich und kann den Kopf ausschalten. Ich genieße die Ruhe.“ Ihre Lieblingsstrecke: durch Feldmark und Wald von ihrem Heimatort Bardowick aus über Wittorf und St. Dionys wieder zurück. Für unser Foto macht sie einen Zwischenstopp auf der kleinen Brücke über die Ilmenau am bekannten Aalkrug. Kerzengerade steht sie kopfüber auf den Händen, unter ihr glitzert das Wasser in der Abendsonne.

Am liebsten aber läuft Yvonne Paro morgens. Dann, wenn die meisten noch in den Federn liegen. „Ich starte auch schon mal um fünf Uhr, dann ist die Luft besonders schön.“ Nicht selten ist Mutter Anke Paro mit dem Fahrrad dabei, auch sie ist Frühaufsteherin. Los geht’s an der Mühle in Bardowick, vorbei am Friedhof über die Huder Furth in Richtung Wittorf und durch den Ort über den langen Wiesenweg raus zur Ilmenaubrücke.

Ein ganz versteckter Weg Richtung Schützenplatz

Auf der anderen Seite des Flusses läuft sie weiter nach St. Dionys. Um hier über den Wald nach Bardowick zu gelangen, muss man den richtigen Weg erwischen. ,,In der scharfen Kurve im Ort geht es am Café vorbei und dann nicht links in Richtung Golfplatz, sondern geradezu in den Heinrich-der-Löwe-Weg.“ Der Weg endet am Schützenplatz. Hier ist sie als Schützin aktiv.
Den weiten Blick über die Felder genießt die Bardowickerin auf der Strecke jedes Mal aufs Neue: „Hier kann man noch sehen, woher unsere Lebensmittel kommen. Es ist faszinierend, mitzukriegen, wie das Gemüse gesät wird, von Mal zu Mal mehr in die Höhe schießt und beim nächsten Lauf geerntet wird.“

Foto: t&w

Sie legt die Strecke deshalb auch Familien ans Herz: „Das ist bestimmt toll, wenn Kinder ihre laufenden Eltern mit dem Fahrrad begleiten, da kann man richtig was lernen.“ Zuletzt hat sie auch elf Störche auf einem Feld beobachten können. „Das habe ich wirklich noch nie erlebt.“ Klar bleibt sie dafür stehen.

Sport hat Yvonne Paro schon immer gemacht. Zum Laufen aber kam sie erst 2016. „Ich habe gedacht, ich probiere es einfach mal aus.“ Die Bilanz-Buchhalterin merkte schnell, wie gut ihr der neue Ausgleich tut. Noch im gleichen Jahr finishte sie den Süderelbe-Halbmarathon in 2:10:22 Stunden. ,,Ich war superstolz. Dieses Gefühl im Ziel kannst du mit keinem Geld der Welt kaufen“, schwärmt sie. ,,Das sind pure Glücksmomente, die man nur allein mit Disziplin, Willen und Stärke schafft und die einen auch persönlich enorm weiterbringen.“

Lange Distanzen sind wichtiger als schnelle Zeiten

Die Leidenschaft zum Laufen ist geblieben, Zeiten aber spielen für Yvonne Paro keine Rolle. „Ich laufe für mich und keiner Uhr hinterher.“ Lange Strecken reizen sie da eher. „Ich will jetzt bei einem virtuellen Lauf meine bisher weiteste Runde in Angriff nehmen“, verrät sie. 30 Kilometer sollen es werden. Yvonne Paro fühlt sich gut gewappnet: „Ich bin auch während der Coronazeit viel gelaufen, wenigstens das durfte man ja“, ist sie froh.

Auf rund 35 Laufkilometer kommt sie in der Woche. Ihr Lauftagebuch ist ihr Instagram-Account fieten_pa. Hier hält sie ihre Läufe fest – fast jedes Mal mit einem Handstand-Foto und immer vor anderem Hintergrund. ,,So weiß ich, wo ich schon überall gelaufen bin.“ Den Austausch mit anderen Laufverrückten über den Social Media-Kanal schätzt Yvonne Paro. ,,Man lernt viele Gleichgesinnte kennen. Und wenn man nicht laufen mag, reicht ein Blick auf die Laufeinträge der anderen und ich fühle mich gleich animiert, mich doch noch aufzuraffen.“

Am Ende ihrer Strecke hat sie noch einen Tipp: Eine Extra-Runde um den Bardowicker Dom lohnt sich immer – und im Ziel sollte man sich noch einige Minuten Zeit nehmen. ,,Denn auch unsere historische Mühle ist unbedingt einen Besuch wert.“

Von Kathrin Bensemann