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Den richtigen Umgang mit Geld lernen

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Der richtige Umgang mit Geld ist nicht einfach zu lernen. Kleinere Fehler können sehr leicht Auswirkungen auf die finanzielle Situation in den nächsten Monaten und sogar das ganze nächste Jahr haben. Allerdings sollte man nicht aufgeben, wenn man Schulden hat. Und die Schwellenangst zu Finanzen und Problemlösung überwinden.

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Mit einigen wenigen Grundideen lässt sich die Hoheit über die eigenen Finanzen zurückgewinnen:

  • 1. Der Wandel sollte im Kopf beginnen: Ein „zu viel“ an Schulden zu haben ist kein Fehler, den nur sehr wenige Menschen begehen. Der Schuldnerreport 2016 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform spricht sogar von 6,8 Millionen Menschen (also 10,06 Prozent der volljährigen Bevölkerung), deren Finanzsituation so schlecht ist, dass sie Raten nicht mehr bedienen können. Es ist also keineswegs eine einmalige, nicht zu verzeihende Fehlleistung. Sondern es kann jedem passieren, der sich nicht genug mit Finanzen beschäftigt.
  • 2. Finanzen und Schulden sind kein Hexenwerk: Entscheidend für die finanzielle Lage ist der Saldo aus Einnahmen und Ausgaben. Wer diesen Saldo betrachtet, der ist einen entscheidenden Schritt weiter.
  • 3. Die „goldene Finanzierungsregel“ hat sich bewährt: Die Abzahlungsdauer eines Kredites sollte nicht höher sein als die eigentliche Nutzungsdauer. Ein Kredit mit 36 Monaten Laufzeit erscheint zu lang, wenn das Smartphone nur zwei Jahre genutzt werden soll. Wer dann das neue Gerät mit einem neuen Kredit finanziert, obwohl der bisherige Kredit noch läuft, ist auf dem Weg in die Schuldenfalle. Der dritte Schritt lautet also: Keine neuen Kredite abschließen, wenn noch Raten ausstehen.

Wer Schulden hat, sollte deshalb nach dem Motto „Vorfahrt für Rückzahlung“ arbeiten und keine neuen Konsumschulden aufnehmen.

Struktur und Übersicht: Gute Methoden zum Umgang mit Geld

Wer seine Schulden nachhaltig reduzieren möchte, sollte an seinem monatlichen Haushaltssaldo arbeiten. Dieser Überschuss aus den Einnahmen und Ausgaben ist vergleichsweise einfach festzustellen: Auf den meisten Girokonten bzw. den Monatskontoauszügen findet sich die Summe der Einnahmen (Haben-Buchungen) und Ausgaben (Soll-Buchungen).

In einem zweiten Schritt sollten die großen Posten bzw. Zahlungen angesehen werden: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen gewohnheitsmäßig für etwas, was sie gar nicht mehr benötigen. Egal, ob Zeitschriften-Abo oder teures Fitnessstudio: Wer Schulden hat, der sollte sich von überflüssigen Posten zum nächsten Kündigungstermin trennen. Dann bessert sich die finanzielle Lage fast von selbst.

Am nächsten Monatsersten könnte zudem ein leerer Schuhkarton zum Werkzeug zur Rückgewinnung der Finanzhoheit werden: Wer sich überall einen Kassenzettel geben lässt, der kann dies am Monatsende an einem Sonntag in Ruhe auswerten.

Häufige Schuldenfallen sind:

  • Mehrere Handyverträge, PayTV-Angebote, Fitnessstudios für 80 Euro oder mehr im Monat (wenn sie nicht zum Einkommen passen) -> beispielsweise bei Auszubildenden
  • Ein zu großes, teures Auto oder zu viele damit verbundene Versicherungen
  • Einkäufe, wann immer man Lust dazu hat und Finanzierung mit immer wieder neuen Verträgen (Verschuldungsspirale)
  • Unüberlegte Selbstständigkeit bzw. „Hinzuverdienst“. Hier ist das Presseecho und das öffentliche Bild sehr gespalten, deshalb nur als Hinweis oder Orientierung: Manche Idee für das Erzielen eines Zusatzeinkommens basiert auf Verkäufen in der Verwandtschaft, bei Bekannten, Nachbarn und Kollegen. Dies ist risikoreich, weil manches umstrittene Direktvertriebssystem eine sehr hohe Mindestproduktabnahme verlangt und das wirtschaftliche Risiko auf den Hinzuverdienenden verlagert.
Unsere sieben Top Tipps zum Umgang mit Geld

Erstaunlicherweise gibt es inzwischen sogar ein Krankheitsbild, welches mit übermäßigem Geldausgabeverhalten assoziiert wird (pathologisches Einkaufen wird als psychische Störung anerkannt). Um dies zu vermeiden und noch besser mit Geld umgehen zu können, hat unsere Redaktion sieben Top Tipps zusammengestellt:

1. Beim Abschluss von Abos sofort kündigen – hilft gegen das Vergessen

Das klassische Zeitungs-Abo oder Fitnessstudio wird immer noch im 1-Jahres-Rhythmus abgeschlossen. Oftmals mit einer Vorwarnung von einigen Wochen, ansonsten wird auch das zweite Jahr fällig. Wer also unmittelbar nach dem Abschluss zum „Jahresablauf“ kündigt, der kann es nicht übersehen und hat während der Laufzeit keine Nachteile. Aus eigener Erfahrung: Die Vertragskündigung ist nur zugangspflichtig, der Anbieter kann also die Kündigung nicht verweigern.

2. Nur ein Konsumkredit gleichzeitig – Warten statt Schuldenspirale

Egal, ob Schuldenberatersendung im Privatfernsehen oder der echte Alltag in der Schuldenberatung: Meistens existieren sehr viele offene Forderungen und Kredite gleichzeitig und das macht es natürlich wesentlich schwerer, den Überblick zu behalten. Wer nach der Devise vorgeht, immer nur einen Kredit offen zu haben, der kann die Finanzen wesentlich schneller stabilisieren.

3. Das Grundgehalt verplanen – Leistungsprämien unberührt lassen

Dieser Tipp baut auf der Übersicht über die eigenen Finanzen bzw. auch dem Führen einer Ein- und Ausgabenliste auf. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass in Berufen mit wechselndem Einkommen nur das Grundgehalt verplant und nicht zusätzliche Leistungsprämien oder Einmal-Leistungen als gegeben angesehen werden.

4. Immer das Neueste haben – Großes Loch im Geldbeutel bei weniger Leistung

Dieser Tipp gilt insbesondere für technikaffine, meist männliche Verbraucher: Egal, ob bei Einführung von Smartphones, neuen Flachbildschirmen oder dem erstmaligen Eintauchen in die Virtual Reality: Die Preisgestaltung der Unternehmen ist meist ähnlich. Die sogenannten Technik-Freaks (Marketing-Jargon: „Early Adopter“) zahlen sehr hohe Einführungspreise, damit sich Forschung und Entwicklung sowie Markteinführung sehr schnell bezahlt machen. Ist ein Produkt ein paar Monate auf dem Markt, dann geben die Preise kräftig nach.

5. Der Dispo sollte nur im Notfall genutzt werden – Plädoyer für mehr Übersicht

Für viele Menschen sind die eigentlich voll flexiblen Kredite der Einstieg in eine hohe Verschuldung, weil diese bequem und ohne Nachdenken aufgenommen werden können. Laufende Einnahmen und Ausgaben vermischen sich auf dem Girokonto mit dem Kredit. Oftmals vergessen die Leute die Rückzahlung und wundern sich dann am Quartalsende, dass beinahe die volle Kreditsumme ungetilgt bleibt.

6. Das eigene Zuhause als Schutzzone

Dieser Tipp baut auf der Schuldenfalle „Haustürvertrieb“ auf und erweitert diesen: Angebliche Tipps von Bekannten kommen oft aus eigenem Provisionsinteresse heraus und haben ganz und gar nichts mit der eigentlichen Bekanntschaft oder Freundschaft zu tun. Wer sein eigenes Zuhause und sein privates Umfeld vor Verkaufspartys, „Versicherungstipps“ oder „Freundschaftswerbungs-Prämien“ schützt, der lebt entspannter und spart außerdem viel Geld.

7. Nicht das eigene Geld ausleihen: Spart jede Menge Zinsen

Dieser Tipp gilt insbesondere in der Niedrigzinsphase, in der der Abstand zwischen den 0,10 % oder dem Tagesgeldzinssatz zu den Krediten vergleichsweise groß ist. Deshalb macht es – außer in Sonderfällen und als Liquiditätsreserve – vergleichsweise wenig Sinn, gleichzeitig das Sparguthaben zu behalten und sich bei der gleichen Bank sein eigenes Geld auszuleihen.

Weitere Tipps und Anregungen:
http://www.verbraucherzentrale.nrw/haushaltsbuch-spartipps
http://www.vexcash.com/blog/anregungen-zum-richtigen-umgang-mit-geld/
http://www.bildung.koeln.de/schule/artikel/artikel_03255.html

Bild: pixabay