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Wer ein Familienmitglied pflegt, muss seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse häufig zurückstellen. Aus Mitteln der Verhinderungspflege können sich Angehörige eine Urlaubsvertretung organisieren.

Hilfen für Angehörige

Die meisten pflegenden Angehörigen kennen die zusätzlichen Unterstützungsangebote der gesetzlichen Pflegeversicherung, das ergab eine aktuelle Befragung des wissenschaftlichen Instituts der AOK im Rahmen des Pflege-Reports.

Dennoch werden beispielsweise Angebote zur Kurz- oder Verhinderungspflege nur selten in Anspruch genommen obwohl die pflegenden Angehörigen zur Entlastung genau diese Leistungen der Umfrage zufolge dringend benötigen.

Zahl der Pflegebedürftigen steigt

Der Anteil der Pflegebedürftigen ist in den vergangenen zehn Jahren weiter gestiegen. Inzwischen sind 2,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Ursache ist laut Pflege-Report unter anderem die Zunahme von Hochaltrigen in der Bevölkerung.

Danach ist bei den 80- bis 84-Jährigen jeder Fünfte, von den 85- bis 89-Jährigen 37 Prozent und bei den über 90-Jährigen weit mehr als die Hälfte auf die Pflege angewiesen. Damit werde die Pflegebedürftigkeit im hohen Alter immer mehr zum Normalfall und damit zur Alltagsaufgabe.

Rund zwei Millionen Pflegebedürftige werden derzeit zu Hause betreut. Gute Voraussetzungen, um diese Herausforderung zu bewältigen, bietet nach Worten von Professorin Adelheid Kuhlmey der spezifische Versorgungsmix aus familiärer und professioneller Pflege.

Angehörige oft an der Belastungsgrenze

Die pflegenden Angehörigen gehen dabei oftmals bis an ihre Belastungsgrenzen und brauchen gelegentlich eine Auszeit . Doch viele schöpfen die zur Verfügung stehenden Entlastungsangebote nicht aus. Seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes Anfang 2015 hat sich der jährliche Leistungsumfang für die sogenannte Verhinderungspflege auf 1.612 Euro erhöht. In bestimmten Fällen können Verhinderungs- und Kurzzeitpflege auch miteinander kombiniert werden, dadurch erhöht sich der Leistungsbetrag auf insgesamt 2.418 Euro.

Unterstützungsangebote werden nur wenig genutzt

Laut einer aktuellen Umfrage unter 1.000 pflegenden Angehörigen im Rahmen des Pflege-Reports nutzen aber nur wenige die zusätzlichen Unterstützungsangebote der gesetzlichen Pflegeversicherung. Gleichzeitig sagt jeder vierte Pflegehaushalt, der weder Pflegedienst noch Tagespflege oder Kurz- und Verhinderungspflege in Anspruch nimmt, dass er genau diese Leistungen eigentlich benötige.

Pflichtgefühl und Scham bei Angehörigen

Diejenigen, die die zusätzlichen Entlastungsleistungen nutzen, waren damit sehr zufrieden und stuften das professionelle Pflegepersonal als kompetent ein. Die häufigste Ursache, warum Familien mit pflegebedürftigen Menschen sich nicht helfen lassen, war laut Report: Pflegebedürftige wollen nicht von einer fremden Person gepflegt werden.

Antje Schwinger, Pflegeexpertin des WIdO und Mitherausgeberin des Reports, sieht hier Barrieren: „Wir müssen die Bedürfnisse der Betroffenen noch besser verstehen und gleichzeitig mit guter Beratung und niedrigschwelligen Angeboten überzeugen. Allerdings zeigt sich hier auch ein tief sitzendes Selbstverständnis von familiärer Pflege, in das Pflichtgefühl und Scham mit hineinspielen.“

Angehörige kommen zu kurz

Wer ein Familienmitglied zuhause pflegt, muss seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse häufig zurückstellen. Nicht selten werden Freunde oder Hobbys vernachlässigt, weil man die Eltern oder Großeltern nicht alleine lassen mag. Qualifizierte Kräfte für die Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege bekommen die Angehörigen beispielsweise bei lokalen Pflegediensten und -heimen. Aber auch über Online-Vermittlungsportale wie beispielsweise www.die-senioren-assistenten.de .