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Der Wandersport wird immer mehr zum Trend. Er wird in den verschiedensten Altersgruppen ausgeübt.

Der anhaltende Wander-Trend und seine Facetten: Das schnelle Gehen zwischen traditionellem Naturerlebnis und Speed-Hiking

Schritt für Schritt zum Ziel: Berge, Wälder und Wege auf der ganzen Welt „erwandern“. Das Thema Wandern ist ein anhaltender Trend, der von vielen Deutschen jährlich ausgeübt wird. Denn es hält Körper und Geist fit, bietet Naturnähe und ist an jedem Ort durchführbar. Gerade die zweite vollwertige Jahreszeit, bietet sich wieder für Outdoor-Aktivitäten an. Doch welche Wanderrouten und Trends gibt es und wie kommt der Wanderfreudige nicht vom Weg ab?

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Ein kurzer Überblick – das Wandern vom „Zweck“ zum Freizeitvergnügen

Wer hat´s erfunden? Gute Frage, denn das Wandern hat seinen heutige Bedeutung als Freizeitsport erst nach und nach erhalten. Die Anfänge des Wanderns sind auf die religiös begründeten Pilgerreisen des Mittelalters zurückzuführen. Zu Fuß „gepilgert“ sind zu dieser Zeit auch Händler und Kaufleute, die darauf aus wirtschaftlichen Gründen angewiesen waren. Zudem kamen politische Gründe hinzu – wie Verfolgung oder Kriege. Kurzum: Das Wandern war Mittel zum Zweck, denn eine Kutsche oder ein Pferd konnte sich nicht jeder leisten. Nach und nach kamen vor allem für die oberen sozialen Schichten andere Faktoren hinzu, die den Weg in die „Ferne“ wandern ließen: Bildung oder kulturelles Interesse.

Selbst die einst als bedrohlich wahrgenommenen Berglandschaften wurden zurzeit der Aufklärung (17./18. Jahrhundert) als Möglichkeit zum naturnahen Freizeiterlebnis gesehen. Was nicht zuletzt Literaten und Künstler begünstigten, die durch ihre positive Darstellung der Alpen in Bildern und Gedichten, die Abenteurerlust weckten. So kam es im „Goldenen Zeitalter des Alpinismus“ zu den ersten Wanderungen und Bergbesteigungen. Diese Wanderungen in die bergige Natur wurden gerade im Laufe des 19. Jahrhunderts Teil des Massentourismus, der sich unter anderem aus der sogenannten „Sommerfrische“ (Ausflüge des gehobenen Bürgertums auf das Land oder in die Berge) entwickelte.

Zunehmend bildeten sich Wandervereine, die es sich zur Aufgabe machten, die Natur zu schützen, aber auch mit dem Ausbau von Wanderrouten die Möglichkeit auf Erschließung derselben gaben. Die Wanderrouten wurden professionell vermarktet und das Wandern wurde zum beliebten Freizeitsport, der heute verschiedene Trends entwickelt und diverse Zielgruppen anspricht.

Die Wander´s Lust – Der flott Schritt als Lifestyle-Trend

„Wandern ist Gehen in der Landschaft. Dabei handelt es sich um eine Freizeitaktivität mit unterschiedlich starker körperlicher Anforderung, die sowohl das mentale wie psychische Wohlbefinden fördert.“ – Quelle: Studie Deutscher Wanderverband

Beim Wandern gehört im Gegensatz zum Spaziergang eine Vorabplanung dazu. Die Routen werden sich angeschaut und nach Schwierigkeitsgrad oder Kilometerzahl ausgewählt. Zudem hat die Wanderung eine gewissen Länge – meist mindestens eine Dauer von einer Stunde. Auch eine spezielle und auf bestimmte Witterungs- oder geologische Bedingungen angepasste Ausrüstung sowie eine spezielle Infrastruktur gehören zur Wanderung dazu. Mit der passenden Wanderausrüstung stattet sich aber längst nicht mehr nur die ältere Bevölkerung aus.

Denn das Bild vom Senior, der seinen Schuh schnürt und sich auf die Tour durch den Wald begibt, gehört zwar noch immer zur Wanderkultur dazu, aber hat sich durchaus gewandelt. Mit den Jahren hat sich die Wanderlust zum altersübergreifenden Lifestyle-Trend entwickelt. Immer mehr junge Menschen begeistern sich für die Tour durch die Natur: 1,6 Millionen von 37 Millionen Wanderern sind zwischen neun und 14 Jahren alt und zudem zeigen sich 8,8 Millionen der 20 bis 39-Jährigen von der Bewegung in freier Natur begeistert.

Die Motivlage: Warum eigentlich wandern?

  • Aktives Naturerlebnis.
  • Abwechslung vom Alltag, Kennenlernen eines fremden Geländes oder das Besteigen von Bergen.
  • Bewegung und die Möglichkeit, die Gesundheit zu fördern.
  • Körperliche/psychische Regeneration.
  • Wandern als soziales Erlebnis.
  • Knüpfung/Festigung sozialer Kontakte (gemeinschaftliche Routenplanung und Freizeitaktivität).

Weitere moderne Trend-Sportarten mit Naturverbindung, die dieselben Motive aufweisen und mit dem Wandern indirekt in Verbindung stehen sind unter anderem Reitwandern, Wasserwandern (z.B. Kanufahren) oder Radwandern.

Wandern nah und fern – vom natürlicher Umgebung bis hin zum spirituellen Gehen

Neben den leichten Abwandlungen des „sportlichen Gehens“ gibt es zudem verschiedene Formen des Wanderns. Die auf unterschiedliche Interessen wie Sportlichkeit, Besinnung oder Naturerlebnis abzielen und zudem an verschiedenen Orten im In- oder Ausland durchführbar sind.

Formen des Wanderns und Wandertrends:

  1. Bergwandern:

Das Wandern in den Bergen erfreut sich seit dem „Goldenen Zeitalter des Alpinismus“ großer Beliebtheit bei vielen abenteuerlustigen Wanderern. Das Wandern in den Bergen setzt jedoch, aufgrund des oft schwer zugänglichen Untergrunds, eine ausgiebige Vorbereitung voraus. Dabei ist es wichtig, seine eigene Fitness und Ausdauer nicht zu überschätzen, denn schnell kann es zu Kreislaufproblemen oder Stürzen kommen, die beim Wandern in der Höhe zur Gefahr werden können. Bei der Planung sollte der Schwierigkeitsgrad mit einbezogen werden.

In den bayerischen Alpen gibt es zum Beispiel drei verschiedene Stufen. Neben der durchdachten Planung, sorgt die richtige Ausrüstung für Sicherheit. In den Wanderrucksack gehören ein Erste-Hilfe-Set, eine Rettungsdecke, eine Trinkflasche und Proviant, Ersatzwäsche sowie das Smartphone. Damit kann im Notfall nicht nur Hilfe gerufen (112), sondern zudem die Route sowie Wanderhinweise auf einer speziellen App, die die Alpenvereine gemeinsam entwickelt haben, eingesehen werden.

  • Hinweise für eine entspannte und gesunde Bergtour:

Das Gehen wird an besonders steilen Auf- oder Abgängen durch spezielle Wanderstöcke erleichtert und entlastet Gelenke und Wirbelsäule. An den Füßen unterstützt passendes Schuhwerk, das bis zum Knöchel reicht, ausreichend gedämpft ist und sich für Trekkingtouren eignet.

  1. Fernwandern: Naturerlebnis in der Ferne

Junge Menschen wandern in der SonneWährend sich die Bergtour oft auf einen Tag oder die nähere Umgebung beschränkt, erstrecken sich Fernwandertouren über längere Strecken und führen über mehrere Tage durch eine ganze Region. Die Touren sind meist sehr abwechslungsreich und gehen über bergiges Gelände, vorbei an Gewässern oder an heimischen Wildtieren. Auf einzelnen Tagestouren in der Ferne wird das Wandermotiv „Naturerlebnis“ zudem durch die Möglichkeit, naturverbundene Aktivitäten in unberührter und wilder Natur zu erleben, befriedigt. So können beim Fernwandern im kanadischen Alberta auf oder abseits der circa tausend Kilometer langen Wanderwege besondere, naturnahe Aktivitäten wie Klettern, Höhlenbesichtigungen oder Wildtier-Beobachtungstouren gemacht werden.

Die Wanderungen mit Erlebnisfaktor führen unter anderem durch verschiedene Nationalparks, die zum UNESCO-Weltnaturerbe gehören und auf verschiedene Zielgruppen ausgerichtet sind. Die Schwierigkeitsgrade variieren bei Fernwanderungen genau wie bei den Bergwanderungen zwischen leicht und anspruchsvoll. Auch in Norwegen gibt es eine bekannte Fernwandertour: Der Trollheimen-Rundweg. Dieser liegt circa 450 Kilometer von Oslo entfernt und bietet sich für eine fünf bis sechstägige Wanderroute an, die vorbei an Gletschern und Fjelllandschaften führt. Neben Berglandschaften können auch Insellandschaften erwandert werden. So zum Beispiel Hawaii, wo es verschiedene, weitläufige Fernwandertouren gibt, die vorbei an Vulkankratern und durch tropische Regenwälder führen.

Allein in Europa erstrecken sich die Fernwanderwege für die Wanderfreudigen mit Ausdauer über insgesamt circa 55.000 Kilometer – dazu gehören unter anderem Strecken zwischen Lissabon und der Ukraine oder von Den Haag nach Russland.

  • Hinweise zu den Unterkünften auf Fernwanderungen:

Da auf einer Fernwanderung meist nicht direkt am selben Tag zum Startpunkt zurückgewandert wird, kann eine Individualbuchung der Unterkünfte von Vorteil sein. Wenn am Tag doch eine Etappe mehr zurückgelegt wird, kann die Unterkunft so spontan vor Ort angefragt werden. Dafür können bereits verschiedene Apps für Backpacker genutzt werden. Wer die Wildnis hautnah erleben möchte, kann anstelle des Hostels auch auf einen nahgelegenem Campingplatz sein Zelt aufschlagen. Das Wild-Campen ist dagegen in vielen europäischen Ländern untersagt.

  1. Spirituelles Wandern

Das spirituelle Wandern stammt noch aus der Tradition der anfänglichen religiös bedingten Pilgerreisen. Noch heute gibt es verschiedene Pilger- und Wallfahrtsorte, auf die sich früher Wandermönche begaben. Die Wanderungen dienen zum einen dem Naturerlebnis und zum anderen der Entspannung vom Alltagsstress, deshalb werden die Wandertouren häufig von erfahrenen Meditationslehrern begleitet, die dafür sorgen, dass auf der Tour Ruhephasen entstehen und sich beim Wandern auf die eigene Atmung konzentriert wird.

  • Hinweise zu bekannten Routen:

Spirituellen Charakter haben die Wallfahrtsorte meist durch einen bestimmten religiösen Bezug. In Europa finden sich verschiedene Touren, die als Tages- oder Fernwanderung zu absolvieren sind. Darunter gibt es auch einige, berühmte Pilgerstätten.

  1. Speed Hiking – das moderne und dynamische Wanderprogramm

Das Speed Hiking ist eine Trendsportart aus den USA. Dabei geht es zwar auch um das Naturerlebnis – aber eher um das der schnelleren Sorte. Dabei werden Ausdauer sowie Muskulatur noch mehr gefordert und der Trainingseffekt durch kurze Laufphasen oder Sprünge effektiviert. Während der Puls beim Wandern circa bei 130 bleibt, kann dieser beim Speed-Hiking auf bis zu 200 ansteigen. Die Routen werden meist im Team absolviert.

  • Hinweise zur Durchführung:

Das Speed-Hiking eignet sich für jeden, der körperlich fit ist und eine gewisse Sportlichkeit mitbringt. Dennoch ist langsam zu beginnen und etwa alle 20-Minuten eine Trink- und alle 90-Minuten eine Essenspause einzulegen.

Video: Speed Hiking auf die Vermoi Spitze (2.929m)

Funktionelle Ausrüstung für die Tour über Stock, Stein und Wiese

Egal, ob die Tour über Bergpfade oder durch die freie Natur, um vor allem die Fernwanderungen möglichst bequem hinter sich zu bringen, ist Wert auf eine passende und funktionale Ausrüstung zu legen. Diese sollte den jeweiligen Witterungs- und geologischen Verhältnissen Stand halten können. Denn das Bild vom Wanderer im karierten Hemd mit Trekkingsandalen, gehört nicht zuletzt aufgrund des modernen Wandertrends, der jede Generation erfasst, größtenteils der Vergangenheit an.

Das Stichwort beim Wandern und anderen Outdoor-Aktivitäten heißt heute: Funktionsbekleidung. Diese schützt den Körper vor Nässe und Hitze, sorgt für Bewegungsfreiheit sowie ein angenehmes Körperklima und bietet zudem wasserdichten Stauraum für Smartphone oder Kamera. Damit diese wirklich ausreichend geschützt sind, ist beim Kauf auf abgedeckte Reißverschlussleisten zu achten. Wasserdicht sollte auch der Rucksack sein. Für eine Tagestour reicht ein Fassungsvermögen von circa dreißig Litern aus. Für ein angenehmes Gefühl auf Rücken und Schultern sorgen gepolsterte Schultergurte, eine anatomische Form und eine Rückenbelüftung.

Titelbild: © istock.com – upixa

Beitragsbild: © istock.com – monkeybusinessimages