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Mit den landwirtschaftlichen Höfen sterben auch die Landtechnik-Betriebe. Die verbliebenen Unternehmen brauchen aufgrund der zunehmenden Technisierung spezialisierte Fachkräfte.

Spezialisten gesucht

Embsen. Wird über den demografischen Wandel gesprochen, fällt rasch das Schlagwort Fachkräftemangel . Auch im Handwerk haben viele Betriebe schon Probleme, Nachwuchs zu finden oder Stellen zu besetzen. Anlass für die LZ, in einer monatlichen Serie ein Bild der Arbeitsmarktlage der einzelnen Innungen zu skizzieren. Im siebten Teil sprechen wir mit Jan Röttger, Obermeister der Land- und Baumaschinenmechaniker-Innung Lüneburger Heide (Lama).

Die landwirtschaftliche Struktur hat sich in den vergangenen Jahren rapide verändert und mit ihr die Land- und Baumaschinenmechaniker-Innung. „Früher gab es in jedem Dorf 10 bis 15 Bauern, heute sind es meistens nur noch zwei“, sagt Lama-Obermeister Röttger, „und wenn die Landwirtschaft sich verändert, leidet unsere Branche mit.“ Die wenigen gebliebenen Betriebe sind hoch modern, viele Prozesse automatisiert. Eine Entwicklung, die sich in der Innung spiegelt: Auch hier ist die Zahl der Betriebe über die Jahre geschrumpft. Die verbliebenen Landtechnik-Unternehmen sind stark spezialisiert und überwiegend auf einen Hersteller festgelegt. Entsprechend sind sie auf dem Arbeitsmarkt auf der Suche nach eben solchen Spezialisten.

Landwirt heutzutage ein „Hightech-Beruf“

Der Landwirt melkt nicht mehr selbst, sondern dirigiert von seinem Terminal aus Melkroboter und Fütterungsautomat. Vom Schlepper aus steuert er mittlerweile per Touchscreen die Funktionen der Anbaugeräte. Selbst Motorsägen werden heute per Laptop eingerichtet. „Und wir reparieren das alles, das geht nur mit Spezialisten“, so der Obermeister. Die aber sind auf dem Markt so kaum zu finden. „Der Fachkräftemangel ist darum bei uns extrem spürbar.“
Das beginnt schon beim Nachwuchs: „Wir brauchen Jugendliche, die in der Lage sind, das ganze Spektrum sowohl geistig als auch körperlich abzudecken motivierte Typen, oder auch junge Frauen, die handwerklich interessiert und dazu noch richtig plietsch sind.“
Der Faden zieht sich durch das ganze Berufsleben: „In unserem Job ist ein hohes Maß an Selbstmotivation und Weiterbildung gefordert. Bei uns besucht jeder Monteur mehrmals jährlich Lehrgänge, selbst die Auszubildenden über die Berufsschule hinaus.“

Auch in der Lama-Innung spielt der Akademisierungstrend eine Rolle beim Fachkräftemangel. „Viele Schüler sehen oft das Potenzial unseres Handwerks nicht, weil sie zu wenig Einblick in das Berufsbild haben. Dabei ist der Beruf sehr vielseitig, auch was Aufstiegschancen angeht. Man kann nach seinem Meister noch ein Studium aufsatteln oder den Servicetechniker und dann bei einem Hersteller anfangen. Wie man der Jugend das näher bringt, weiß ich auch nicht“, sagt Röttger ratlos.

Kein großes Interesse bei vielen Jugendlichen an dem Berufsbild

Für ihn hauptsächlich ein gesellschaftliches Problem, denn das Handwerk stellt heutzutage durchaus ein anspruchsvolles Berufsbild.
Die Betriebe selbst hätten nur wenig Handlungsspielraum. Das technische Equipment mit zum Berufsfindungsmarkt zu nehmen, sei schwierig. Girls- und Boys-Days könnten binnen eines Tages auch kaum das Interesse wecken. Und Praktika würden viele Schüler nur als Zwangsmaßnahme sehen: „Zwar sind immer wieder welche dabei, die wirklich wollen, aber wir haben hier auch viele Spätentschlossene, für die unser Betrieb nur ein Notnagel ist.“

In der Pflicht sieht Röttger die Schulen, die den Kindern wieder Tugenden wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit vermitteln müssten und somit die Basics schaffen. Und die Politik sollte eine praktische Ausbildung als Voraussetzung fürs Studium einführen, fordert der Lama-Obermeister. Meist gute Erfahrungen hat sein eigener Betrieb mit der Ausbildung von Migranten gemacht, doch einige seien an der Sprachbarriere gescheitert. „Da waren gute Handwerker dabei, die jedoch oft das Problem haben, die Aufgabenstellung zu verstehen. Das muss aber derjenige, der den Mangel hat, selbst regeln“, meint Röttger.