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Die Schornsteinfegerinnung schätzt sich bislang glücklich: Sie kann über Fachkräftemangel nicht klagen.

Innung im Glück

Auch im Handwerk haben viele Betriebe schon Probleme, Nachwuchs zu finden oder Stellen zu besetzen. Anlass für die LZ, in einer monatlichen Serie ein Bild der Arbeitsmarktlage der einzelnen Innungen zu skizzieren. Im achten Teil sprechen wir mit Jens Ahrnke, Obermeister der Schornsteinfegerinnung Lüneburger Heide.

Reges Interesse an dem Berufsbild

Lüneburg. Fachkräftemangel der Begriff ist Jens Ahrnke schon untergekommen. Aber so richtig mit Leben füllt er sich für den Obermeister der Schornsteinfegerinnung Lüneburger Heide nicht. „Das spielt in unserer Branche keine Rolle“, sagt Ahrnke.

Nachwuchssorgen oder Personalnot sind ihm und seinen Kollegen fremd, auch wenn es Zeiten gab, zu denen er anderes befürchtete: Zur Jahrtausendwende fielen die Auszubildendenzahlen. „Damals wurden sogar Berufsschulklassen aufgelöst“, erinnert sich der Obermeister. Die Gründe dafür kennt er nicht, sieht die damalige Situation aber auch als nicht weiter tragisch an. Zwar habe man über die eine oder andere Maßnahme nachgedacht, letztlich aber nichts anderes unternommen, als sonst auch: „Wir sind in die Schulen gegangen, aber das tun wir heute auch. Wir haben schon immer dafür gesorgt, dass wir genügend Nachwuchs ausbilden“, sagt Ahrnke.

Kein Lehrlingsmangel in der Branche

Der damalige Lehrlingsmangel regulierte sich wieder, ein gegenläufiger Trend setzte ein und hielt bis heute an. „In den vergangenen zwei, drei Jahren haben wir in Niedersachsen sogar wieder zwei neue Berufsschulklassen eingerichtet“, so Ahrnke. Mit der Novelle des Schornsteinfegergesetzes im Jahre 2008 hängt die positive Entwicklung in Ahrnkes Augen aber nicht zusammen. Mit der neuen Gesetzgebung wurde das vorherige Kehrmonopol der Kaminkehrer beschnitten, seither besteht nur noch ein eingeschränkter hoheitlicher Bereich, viele Schornsteinfegerarbeiten wurden für den Wettbewerb geöffnet.

„Zwar ist das damals stark diskutiert worden, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es an der Situation etwas verändert hat“, so Ahrnke, „der hoheitliche Bereich ist ja geblieben wie vorher auch. Es gibt weiterhin feste Kehrbezirke, nur für die darüber hinausgehenden Schornsteinfegertätigkeiten haben die Kunden die freie Wahl.“

Firmen bestehen meist nur aus 3 Mitarbeitern

Alles in allem also eine zufriedenstellende Situation, die neben der guten Nachwuchsarbeit allerdings auch der Tatsache geschuldet sei, dass es generell nur wenig Firmen gibt, dementsprechend die Ausbildungszahlen insgesamt überschaubar sind. Der Innungsbezirk erstreckt sich über die Landkreise Lüneburg, Celle, Uelzen, Harburg, Heidekreis und Lüchow-Dannenberg und umfasst alle 105 dort ansässigen Betriebe, die in der Regel nur aus drei Mann bestehen, dem Schornsteinfegermeister, einem Gesellen und einem Lehrling. Etwa zehn Prozent der Unternehmen bilden immer im Wechsel aus und decken damit den Bedarf ab. „Darin ist einkalkuliert, dass rund 25 Prozent der Lehrlinge dem Beruf nach der Ausbildung nicht erhalten bleiben“, erklärt der Obermeister.

Heutzutage Schwerpunkt Beratung

Auch profitieren die Schornsteinfeger von dem guten Image des Berufsstandes und dem Wandel des Berufsbildes. Neben den klassischen Tätigkeiten, wie der Reinigung der Schornsteine und dem Überprüfen von Feuerungsstätten sind viele weitere, interessante Bereiche hinzugekommen. „Ein großer Schwerpunkt liegt heute auf der Beratung, Stichpunkt Energiewende“, erläutert Jens Ahrnke, „das ist mit ein Grund, warum der Beruf für viele noch attraktiver geworden ist.“ Moderne Brennwertgeräte etwa, die mit Holz, Pellets oder Hackschnitzeln geheizt werden, müssen regelmäßig auf Feinstaub überprüft werden. „Und auch von der kontrollierten Wohnraumlüftung versprechen wir uns viel.“