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Das Maler- und Lackiererhandwerk ist seit einigen Jahren gut ausgelastet. Auf der anderen Seite haben die Betriebe aber Fachpersonal abgebaut. Gegenläufige Entwicklungen, die in den vergangenen zwei, drei Jahren zu einem Fachkräftemangel in der Branche führten.

„Aber wir bilden gut aus“

Wird über den demografischen Wandel gesprochen, fällt rasch das Schlagwort Fachkräftemangel. Auch im Handwerk haben viele Betriebe schon Probleme, Nachwuchs zu finden oder Stellen zu besetzen. Anlass für die LZ, in einer monatlichen Serie ein Bild der Arbeitsmarktlage der einzelnen Innungen zu skizzieren. Im neunten Teil sprechen wir mit Achim Aschenbrenner, Obermeister der Maler- und Lackiererinnung Lüneburger Heide.

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Fachkräftemangel auch im Maler- und Lackiererhandwerk

Lüneburg. Das Maler- und Lackiererhandwerk ist seit einigen Jahren gut ausgelastet. Auf der anderen Seite haben die Betriebe aber Fachpersonal abgebaut. Gegenläufige Entwicklungen, die in den vergangenen zwei, drei Jahren zu einem Fachkräftemangel in der Branche führten, berichtet Achim Aschenbrenner: „Aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen war es für das witterungsabhängige Handwerk schwer, auf Nachfrageschwankungen flexibel zu reagieren.“

Früher hätten die Betriebe zum Winter hin Personal frei- und im Frühjahr wieder eingestellt, dann aber Probleme bekommen, die Stellen zu Saisonbeginn wieder neu zu besetzen. Aschenbrenner: „Darum hat ein Umdenken stattgefunden, die Mitarbeiter wurden über den Winter gehalten, gleichzeitig aber Betriebsabläufe optimiert und allgemein rationalisiert. Auftragsspitzen hat man über Zeitarbeitnehmer abgefangen. Bei der nun anhaltend guten Konjunktur braucht es allerdings eine Zeit, bis junge Menschen eine Ausbildung durchlaufen haben.“

Image des Berufes leider nicht sehr positiv

Auch wird es schwieriger, Ausbildungsstellen und Bewerber zusammenzubringen. „Zum einen, weil es weniger Schulabgänger gibt“, sagt der Obermeister, „zum anderen müssen wir selbstkritisch sagen, dass das Image des Berufes nicht so gut ist, wie wir es uns wünschen.“ Der Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zufolge wurden 2015 bundesweit rund 14.900 junge Menschen zu Malern und Lackierern ausgebildet immer noch der sechstbeliebteste Handwerksberuf unter jungen Männern, bei jungen Frauen steht er an siebter Stelle. Zum Vergleich: 2013 waren es rund 17.000, 2005 noch gut 25700 Lehrlinge, 2003 lernten rund 34700 Auszubildende den Beruf, 2000 waren es noch 46.200.

Reform der Handwerksordnung hat sich negativ ausgewirkt

Zu Lasten der Ausbildung habe sich außerdem die Reform der Handwerksordnung im Jahr 2004 ausgewirkt. Die damalige Entscheidung, die Zahl der meisterpflichtigen Gewerke zu halbieren, sei aufgrund der Existenzgründungen von ungelernten Unternehmern nicht nur zu Lasten der Qualität gegangen, sondern habe auch viele Ausbildungsplätze gekostet. „Positiv ist zumindest, dass die Handwerksordnung heute nicht mehr in Frage gestellt wird“, sagt Achim Aschenbrenner, „jetzt muss nur noch die EU überzeugt werden, dass unser duales Ausbildungssystem und die Handwerksordnung eher EU-weit exportiert werden als abgeschafft gehören.“

Lieber Studium statt Ausbildung

Auch macht der Akademisierungstrend dem Malergewerbe zu schaffen. „Eltern wollen lieber, dass ihre Kinder studieren, und die Politik unterstützt diesen Bildungswahnsinn. Allein die Zahl der Studienabbrecher ist doch eine Katastrophe“, schimpft Aschenbrenner. Ein Aufregerthema für ihn: „Die hohen Studentenzahlen sind volkswirtschaftlicher Unsinn, außerdem halte ich es für unsozial, so viele Studenten scheitern zu lassen.“ Er fordert eine bildungspolitische Kehrtwende, die Einschränkung der Studienzulassungen.

Bei den Betrieben selbst sieht er ebenfalls Versäumnisse. Vielleicht habe es das Handwerk nicht verstanden, die positiven Seiten des Berufes hinreichend deutlich zu machen etwa selbstständiges, eigenverantwortliches Arbeiten im Team oder die Möglichkeit, kreativ tätig zu sein und als eigener Chef schließlich auch gutes Geld verdienen zu können. Es gelte, bessere Orientierungsarbeit zu leisten und neue Zielgruppen anzusprechen, wie junge Mädchen mit einem Händchen für Gestaltung.

Nicht zuletzt zweifelt der Obermeister an der Ausbildungswilligkeit einiger Jugendlicher. Angesichts der sozialen Sicherungssysteme und der Diskussion über das Grundeinkommen würde mancher denken, es bestände heute nicht mehr die Notwendigkeit, für ein geregeltes Einkommen zu sorgen, vermutet Aschenbrenner.
Alles in allem sieht der Obermeister die Zukunft dennoch positiv: „Den Fachkräftemangel werden wir in den Griff bekommen und wir bilden nach wie vor trotzdem gut aus.“