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Bezahlsysteme und Banking der Zukunft – wird die Geldbörse bald überflüssig?

Schon seit einigen Jahren gerät die Finanzbranche aufgrund der rasanten Entwicklung in technologischer und webbasierter Hinsicht immer mehr unter Druck. Während Bank-Filialen mehr und mehr in den Hintergrund geraten, so werden Dienste wie das Online-Banking mittlerweile sehr viel stärker genutzt. Auch auf mobilen Endgeräten lassen sich Bankgeschäfte heutzutage umfassend regeln und ermöglichen eine besonders flexible Nutzung, wenngleich diese auch mit einigen Risiken und Schwierigkeiten verbunden ist. Gerade die Sicherheit bezüglich der Verbraucherdaten stellt ein wichtiges Thema dar, welches immer wieder in den Medien präsent ist, gleichzeitig geht die Entwicklung der mobilen Finanzverwaltung jedoch stetig weiter. Der neue große Trend, das sogenannte Mobile Paying, steht bereits in den Startlöchern und wartet auf seinen Durchbruch – wenngleich dieser in Europa offenbar noch auf sich warten lässt.

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Online Banking beeinflusst Nutzerverhalten

Immer mehr Menschen erledigen ihre Routinebankgeschäfte mittlerweile online, seien es Überweisungen, ein Aktienkauf oder die Einrichtung eines Dauerauftrags. Das bisher dichte Filialnetz an Banken und Sparkassen spürt diese Veränderung und sieht sich in Zeiten des Niedrigzinses unter Druck gesetzt. Kosten müssen langfristig gesenkt werden, zumal es zusätzlich gerade in ländlichen Regionen zu Bevölkerungsschwund kommt.

Mangels Kundschaft werden Bankfilialen dementsprechend geschlossen, selbst ein einzelner Bankautomat rechnet sich mitunter nicht mehr – andererseits leiden unter eben jener Entwicklung die älteren Menschen vor Ort, die den Weg zur nächsten Bank in der Stadt nicht schnell nebenbei erledigen können oder wollen. Als Lösungsansatz sind einige Banken bereits dazu übergegangen, mobile Filialen anzubieten, die regelmäßig in ländlichen Regionen anhalten. Wie ein Beitrag von merkur.de erläutert, lässt sich daraus allerdings noch kein Trend zu einer großen Welle von Filialschließungen erkennen.

Dennoch wickeln bereits über 50 Prozent der Deutschen ihre Bankgeschäfte über das Internet ab, wenngleich die andere Hälfte den Online-Angeboten immer noch skeptisch gegenübersteht.

Gerade die Angst vor Datenmissbrauch ist es, die so manch einen auch heute noch davon abhält, digitale Dienstleistungen von Banken zu beanspruchen. Laut einer Studie von Eurobarometer sorgen sich 58% der befragten Deutschen, dass ihre Daten gestohlen und für kriminelle Zwecke genutzt werden – diese Befürchtung kommt nicht von ungefähr, denn allein im Jahr 2013 verzeichnete das BKA knapp 4.000 Betrugsfälle.

Gerade das sogenannte Phishing, also das Ausspähen von Daten und Passwörtern mithilfe von manipulierten Internetseiten, ist eine der größten wie auch verbreitetsten Gefahren. Die Betrüger konnten auf diese Weise rund 16,4 Millionen Euro erbeuten. Weitere bekannte Gefahrenszenarien sind laut eines Ratgebers auf Verivox außerdem folgende:

1. Trojaner

      • Als Trojaner werden Anwendungen bezeichnet, die im ersten Moment sinnvoll erscheinen, tatsächlich aber doch über eine unbekannte Funktion verfügen. Meist wird dabei eine Anwendung durch eine exe.-Datei installiert, die im Hintergrund unbemerkt einen „Angriff“ startet. Ist ein solcher Trojaner erst auf dem Rechner installiert, so späht er Daten aus, leitet diese weiter oder kann sogar über verschiedene Funktionalitäten des Computers entscheiden.

2. Man-in-the-Middle-Angriff

    Besteht eine Kommunikationsverbindung zwischen Bank und Kunde, so kann sich ein unbefugter Nutzer – der „Man in the Middle“ – unbemerkt dazwischenschalten. Dieser manipuliert die Konversation so, dass er die für ihn wichtigen Daten und Informationen erhält, während sowohl Kunde als auch Bank das Gefühl haben, sie würden noch immer geschützt miteinander sprechen. Ein solcher Angriff bringt es mit sich, dass der „Man in the Middle“ über das gesamte Konto des Kunden verfügen kann.

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt aber gerade deshalb, weil ein Großteil dieser Betrugsfälle sich vermeiden lässt, so ein Sprecher des BKA. Denn die Angebote der deutschen Banken sollen „grundsätzlich sicher“ sein, weitaus problematischer sind hingegen die nachlässigen Vorkehrungen der Nutzer. Helfen können bereits einige einfache Handgriffe, die im Grunde ohnehin Standard bei der Computernutzung sein sollten:

  • Aktueller Virenschutz auf dem Rechner
  • Firewall und ggf. eine WLAN-Verschlüsselung
  • Zugangspasswörter besser aufbauen: empfohlen wird eine Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen. Geburtstage oder Initialen von Namen gilt es zu vermeiden.

Wahl des richtigen PasswortsDie Sicherheit der Banken selbst wurde allerdings ebenfalls schon so manches Mal kontrolliert und miteinander verglichen. Erst kürzlich überprüfte die S.W.I. Finance im Auftrag des Handelsblatts die Online-Plattformen der acht größten Filialbanken und Direktbanken – dabei standen nicht nur Sicherheits- und Legitimationsverfahren im Fokus, sondern ebenso die Kundenkommunikation zum Thema Sicherheit. Die Gewinner und Verlierer der Untersuchung sind hier zu sehen:

Filialbanken Gesamtpunktzahl (maximal: 100 Punkte)
Deutsche Bank 72,2
Postbank 71,3
Berliner Volksbank 69,8
Commerzbank 69
Hamburger Sparkasse 68,8
HypoVereinsbank 65,5
Santander Bank 55
Targobank 33,2

 

Direktbanken Gesamtpunktzahl (maximal: 100 Punkte)
1822direkt 76, 7
Comdirect 69,8
Deutsche Kreditbank 65,2
ING-Diba 64
Consorsbank 63,5
Volkswagen Bank 57,2
Wüstenrot Direct 54
DAB Bank 28,8

Detailliertere Auswertungen der Untersuchung sind unter dem entsprechenden Beitrag auf handelsblatt.com zu finden.
Vom Online zum Mobile Banking
Aus dem Online Banking entwickelte sich als logischer nächster Schritt das Mobile Banking, welches die Bankgeschäfte direkt über das mobile Endgerät erledigt – und damit von überall und zu jeder Zeit. Derzeit scheinen die Bankkunden allerdings in zwei Lager gespalten, wie eine Studie von Ipsos herausfand (genaueres kann hier nachgelesen werden). Etwa 15.000 finanzielle Entscheider ab 18 Jahren wurden bei der Untersuchung befragt.

  • Aktive Smartphone- und Tablet-Nutzer sehen Mehrwert
    Viele Nutzer von Mobile-Banking-Apps genießen es, mehr Kontrolle über ihre Finanzen zu haben, verpassen so keine Zahlungen mehr und haben eine bessere Kontoübersicht. Nichts desto trotz lehnen immerhin 36 Prozent der Befürworter die Nutzung bis auf weiteres dennoch ab.
  • Mobile-Banking-Skeptiker sorgen sich um Sicherheit
    Das mangelnde Vertrauen in die Sicherheit ist für viele der Hauptgrund, auf Mobile Banking zu verzichten, viele Befragte sehen allerdings auch schlicht keinen Mehrwert in einer entsprechenden App.

Mobile Payment – der nächste große Trend?

Bezahlsysteme
Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Innovationen und Trends in der Finanzbranche. Quelle: http://mobilbranche.de/2015/06/mobile-banking-standard

Während das Online Banking und auch das Mobile Banking also schon mehr oder weniger etabliert sind, so erlebt das Mobile Payment derzeit einen neuen Hype. Rund 40 Millionen Deutsche tragen ihr Smartphone mittlerweile als täglichen Begleiter bei sich, künftig soll es aber nicht nur ein praktischer mobiler Zeitvertreib sein, sondern am besten auch als virtuelles Portemonnaie dienen. So zumindest wünschen es sich Start-Ups, Internetkonzerne und nicht zuletzt auch die Banken.

In der Praxis lässt sich die Geldbörse allerdings nicht so leicht aus dem Alltag verdrängen, zumal die Anzahl an entsprechenden Apps zwar stetig steigt, die Umsetzung von Mobile Payment jedoch noch zu wünschen übrig lässt. Zu oft erscheint die Einführung in das Mobile Payment noch zu komplex, so empfinden es zumindest 67 Prozent der Befragten bei einer Umfrage von ibi Research (befragt wurden insgesamt 51 Finanzexperten). Mobile Banking ist dagegen absoluter Standard und wird von 81 Prozent der Befragten bereits aktiv umgesetzt.

Woran scheitert Mobile Payment (noch)?

Es vergeht kaum ein Monat, in dem der Branche nicht der Durchbruch von Mobile Payment vorausgesagt wird. In der Realität sieht es jedoch anders aus, denn noch immer gibt es wohl mehr Studien, die sich mit dem Thema befassen, als tatsächlich durchgeführte Transaktionen. Abhilfe sollen nun Google und Apple schaffen, die ebenfalls in den Markt eingestiegen sind und der Branche unter die Arme greifen könnten.

Wenngleich beide Systeme aktuell noch nicht in Europa genutzt werden, so zeigt sich doch immerhin, dass bereits jeder zweite von drei kontaktlos bezahlten Dollar über Apple Pay abgewickelt wird. Ähnlich erfolgreich wird es vermutlich für Android Pay laufen.

Schlechter sieht es hingegen für die Fülle an anderen Lösungsanbietern aus, die nur mit mäßigem Erfolg aufwarten können. Derzeit scheinen die Lösungen einfach nicht überzeugen zu können, sind zu langweilig gestaltet oder wirken schlichtweg nicht vertrauenswürdig. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Bezahlvorgang als solcher vom Kunden nicht als Produkt verstanden wird – denn Bezahlen sollte eine einfache und alltägliche Handlung sein – ein sogenannter „No-Brainer“ –, nicht jedoch eine Dienstleistung, über die der Anwender lange nachdenken muss.

Nicht zuletzt ist es schließlich so, dass das Mobile Payment derzeit keine lohnenswerte Alternative zum handelsüblichen Bezahlvorgang zu sein scheint. Sei es mit Bargeld, EC- und Kreditkarte oder seit 2010 auch über Verfahren wie NFC – wobei für letzteres nicht zwangsläufig ein Smartphone notwendig ist, sondern bereits eine kontaktlose Kreditkarte oder sogar ein Wearable, wie etwa ein Fitnessarmband, genutzt werden können.

Was ist NFC?

Unter NFC ist eine Technologie zur drahtlosen Verbindung von Geräten zu verstehen, sie schlägt eine Brücke zwischen der Offline- und Onlinenutzung. Basierend auf der RFID-Technologie, bei der Daten auf einem Transponder kontaktlos gelesen und gespeichert werden, kann NFC beispielsweise zwei mobile Endgeräte oder ein Smartphone mit dem Kassenterminal (Point of Sale) verbinden. Gerade die Einfachheit überzeugt bei diesem System:

Zwei mobile Endgeräte, die sich in gegenseitiger Reichweite befinden, bauen in kurzer Zeit eine Verbindung auf. Um eine möglichst gute Kontrolle über die Kommunikation zu behalten, wurde die Reichweite bewusst auf etwa 10-20 cm festgelegt.

Dass Apple und Co. schließlich den Durchbruch beim Mobile Payment mit sich bringen könnten, liegt vor allem daran, dass sie erkannt haben, dass das mobile Bezahlverfahren kein Produkt, sondern ein intuitiver Vorgang sein sollte. Aus diesem Grund ist Apple Pay beispielsweise lediglich ein Feature des aktuellen iPhones und der Apple Watch – keine App oder Dienstleistung, die der Kunde sich erst aufwändig besorgen muss.

In Europa und im Speziellen in Deutschland werden die Nutzer zwar noch etwas auf das flächendeckende Bezahlen mit dem Smartphone warten müssen, dennoch scheint schon jetzt festzustehen, dass gerade Apple und Google diesbezüglich den Platz der nennenswerten Vertreter einnehmen werden – denn die meisten anderen Anbieter haben sich aufgrund ihres bisherigen Misserfolgs bereits aus dem Geschäftsfeld zurückgezogen.

  • Interessant:
    Unlängst wurde Apple Play offiziell für Großbritannien angekündigt, wo das Bezahlsystem seit nunmehr Juli an über 250.000 Anlaufstellen angeboten wird. Wie zdnet.de berichtet, sind große Drogerieketten wie Boots dabei, aber auch Starbucks, Subway, McDonalds oder Lidl haben sich auf das neue Konzept eingelassen.

Bildquelle:
Titelbild: © istock.com/scyther5
Abbildung 2: 84476179 – login © vege