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Tarifstreit bei den Gebäudereinigern - wie geht es am Ende weiter?

Streit um das Weihnachtsgeld für Gebäudereiniger

Rund um die Gebäudereiniger schwelgt bereits seit Längerem ein Tarifstreit. Die Arbeitsbedingungen, die Gehälter, die Eingruppierungen und natürlich die Frage nach Zusatzgehältern werden längst diskutiert. Im April traten die Arbeitgeber aus dem bisherigen Tarifvertrag, der im nächsten Jahr endet, zurück, denn sie waren nicht bereit, die von einem Gericht bestätigte Anforderung nach Überstundenzahlungen für Teilzeitkräfte anzuerkennen. Auch jetzt geht es wieder um Geld: genauer gesagt dem 13. Gehalt.

Worum geht es im Einzelnen?

In erster Linie streiten sich die beiden Tarifpartner um den Rahmentarifvertrag. Dieser Streit schwelgt bereits seit längerer Zeit, doch aktuell geht es in erster Linie um das Weihnachtsgeld, auch als das 13. Gehalt bekannt:

  • Beteiligte – bei den Gebäudereinigern handelt es sich um eine Gruppe von rund 650.000 Personen. Sie gehören der Vereinigung Bauen-Agrar-Umwelt an. Auf der Gegenseite stehen die Arbeitgeber, die ein Angebot vorlegten.
  • Angebot – es beinhaltete mehr Urlaubstage, einen Zuschlag für die spezialisierten Industriereiniger, sowie eine bessere Eingruppierung von Gesellen. Gleichzeitig sollte die Überstundenregelung verändert werden.
  • Absage – die Arbeitnehmer lehnten das Angebot ab. Sie fordern gezielt das Weihnachtsgeld, also das 13. Gehalt. Zwar meinte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, dass man über das Weihnachtsgeld im kommenden Jahr sprechen könne, aktuell sei es jedoch absolut kein Thema. Dieser Punkt fiele in die Lohntarifverhandlung. Das Problem ist, dass die Lohntarifverhandlungen bereits eine Verbesserung brachten, diese hieß jedoch für ostdeutsche Betriebe, dass diese bis an ihre Schmerzgrenzen gingen.
  • Aktueller Stand – die Verhandlungen wurden unterbrochen, sollen aber am 30.09. fortgesetzt werden.

Erst im April war der Rahmentarifvertrag durch die Arbeitgeber aufgekündigt worden. Streitpunkt damals war, dass die Arbeitgeber nicht bereit waren, die Forderung nach Überstundenzahlungen für Teilzeitkräfte anzunehmen. Diese Regelung hatte ein Gericht vorgeschlagen. Das momentane Gegenangebot durch die Arbeitgeber, Zuschläge ab der achten Stunde zu zahlen, ist jedoch wieder für Teilzeitkräfte nicht zumutbar, da sie von den Zuschlägen ausgeschlossen werden würden.

Welche Streitpunkte existieren darüber hinaus?

Wie schon angedeutet, geht es um mehr als das bloße 13. Gehalt. Die Fronten sind bereits länger verhärtet und eine Lösung ist nicht leicht zu finden, da viele Unternehmen in der Tat ohnehin schon am Rande ihrer Existenz agieren. Konkret geht es um:

  • Treuebonus – ein längst bekanntes Problem in der Gebäudereinigung ist, dass die Unternehmen häufiger den Inhaber wechseln. Beschäftigte haben somit regelmäßig neue Arbeitgeber, was sich bislang negativ auf den Urlaubsanspruch auswirkte. Denn mit dem Firmenübergang gingen die bisher nach dem Arbeitsschutzgesetz angesammelten Urlaubsansprüche verloren. Die Angestellten befanden sich also nach jedem Wechsel auf dem Stand, den jeder Neueingestellte auch hat: den gesetzlichen Mindestanspruch. Die Forderung lautet daher, dass keine Nachteile bezüglich des Urlaubsanspruchs mehr entstehen, sollte der ein Arbeitgeberwechsel auf diese Weise erfolgen. Der Treuebonus schließt nicht den vom Angestellten angestrebten Wechsel zu einem unabhängigen Arbeitgeber mit ein. Wer also von sich aus von Firma A zu Firma B wechselt, der muss die Urlaubstage neu verhandeln.
  • Eingruppierungen – allgemein wird eine verbesserte Eingruppierung gefordert. Gerade Gesellen sollen nach der abgeschlossenen Ausbildung direkt konkret und korrekt einsortiert werden. Diese Forderung gilt auch für Gebäudereiniger, die Fort- und Weiterbildungen absolvieren.
  • Vertrauensleute – es wird gefordert, dass in jedem Betrieb ein IG-BAU-Verantwortlicher eingesetzt wird, sodass Gebäudereiniger schnell einen direkten Ansprechpartner haben.

Wie hoch sind die Chancen auf eine Einigung?

Ob eine Einigung gefunden werden kann oder nicht, steht noch auf einem ungeschriebenen Blatt. Allerdings kann durchaus auf die Erfahrungen aus Streitigkeiten dieser Art zurückgegriffen werden. In den meisten Fällen wird letztendlich eine Einigung gefunden, die alle Seiten mehr oder weniger zufriedenstellt. Momentan gibt es immerhin schon von Arbeitgeberseite aus einige Angebote:

  • Urlaub – es wurde mehr Urlaub angeboten. Es sollen 29 bis 30 Tage sein, die sich allerdings nach der Länge der Branchenzugehörigkeit richtigen. Ob hier jedoch auch ein Arbeitgeberwechsel innerhalb des Betriebs inbegriffen ist, ist offen.
  • Lohngruppe für Gesellen – nach einer abgeschlossenen Ausbildung sollen die Gesellen fortan in Lohngruppe 6 einsortiert werden. Das bedeutet, dass sie ab 2020 mit 14,10 Euro in der Stunde vergütet werden. Die konkrete Tätigkeit und ihr Einsatz haben keinen Einfluss auf diese Einstufung.
  • Zuschlag – 75 Cent in der Stunde mehr wird Industriereinigern angeboten.
  • Mehrarbeit – 25 Prozent mehr pro Stunde für alle Beschäftigten gibt es, wenn sie länger als acht Stunden arbeiten. Dieses Thema ist weiterhin kontrovers, da Teilzeitkräfte selten unter diese Regelung fallen würden.
  • Auch das Weihnachtsgeld wird nicht explizit abgelehnt, sondern soll in die Verhandlungen im nächsten Jahr mitaufgenommen werden.

    Die Verhandlungen werden Ende September fortgeführt. Vermutlich wird es ein Gegenangebot geben, die Arbeitgeberseite legt nach und es wird sich später irgendwo in der Mitte getroffen. Das ist natürlich eine reine Vermutung, doch so ähnlich läuft es bei vielen Tarifstreitigkeiten. Wobei in diesem Fall beide Seiten betrachtet werden müssen. Das 13. Gehalt ist längst nicht in allen Branchen gegeben und wird in Branchen ohne Tarifvertrag als freiwillige Leistung ohne einen festen Anspruch behandelt. Letztendlich könnte es schon sein, dass diese Forderung eher in Zuschläge oder generelle Lohnerhöhungen mit einfließt. Wichtiger ist vermutlich ohnehin, die generellen Bedingungen zu verbessern und Teilzeitkräfte nicht von den Zuschlägen auszuschließen.

    Es bleibt spannend im Tarifstreit der Gebäudereiniger.

    Fazit – ein Streit vor dem Streit

    Rund um die Gebäudereinigertarife gibt es schon länger Streit. Auch der aktuelle wird wahrscheinlich nur vor dem nächsten liegen, denn wenn im kommenden Jahr die Lohnverhandlungen neu aufgenommen werden, wird das Ziehen und Zerren wohl weitergehen. Wie der Streit rund um das Weihnachtsgeld am Ende ausgehen wird, könnte ab Ende September offenbart werden. Aktuell will die IG Bau nicht von der Forderung abweichen, während die Arbeitgeberseite das Weihnachtsgeld nicht kategorisch ablehnt, aber mit in die Lohnverhandlungen im kommenden Jahr aufnehmen will. Ob sich noch vor dem Herbst geeinigt wird und ob die Gebäudereiniger am Ende tatsächlich ein monetäres Weihnachtsgeschenk in der Tüte haben, muss abgewartet werden.

    Bildquellen:
    Abbildung 1: @ Oliver Hale / Unsplash.com
    Abbildung 2: @ Priscilla du Preez / Unsplash.com