Corona-Pandemie hat Ungleichheit verstärkt

Studie: Homeoffice verstärkt ungleiche Arbeitsverteilung von Männern und Frauen

Wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten, übernimmt der Mann weniger Hausarbeit, zeigt eine Studie aus China.

Wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten, übernimmt der Mann weniger Hausarbeit, zeigt eine Studie aus China.

Bei den Schulaufgaben helfen, Wäsche waschen und nebenher noch E-Mails schreiben oder an Meetings teilnehmen – so in etwa sah der Alltag während der Corona-Pandemie für viele Menschen aus. Denn die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionszahlen brachten Millionen Menschen dazu, von zu Hause aus zu arbeiten. Das führte dazu, dass die Grenzen zwischen häuslichen, familiären und beruflichen Anforderungen immer mehr verschwimmen. Allerdings nicht für Frauen und Männer gleichermaßen, wie eine neue Studie von Forschenden aus China und den USA zeigt, die im Fachmagazin „Personnel Psychology“ veröffentlicht wurde.

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Untersucht wurde der Alltag von 233 heterosexuellen Paaren mit und ohne Kinder in China und Südkorea, bei denen beide Partner berufstätig waren. Demnach machten Männer und Frauen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Heimarbeit. Zwar hatten die Teilnehmenden beider Geschlechter das Gefühl, mehr Haushaltsaufgaben erledigen zu können, wenn sie im Homeoffice statt im Büro arbeiteten. Wenn jedoch beide Partner im Homeoffice arbeiteten, verrichteten die Männer im Schnitt deutlich weniger Haushaltstätigkeiten. Bei Frauen war das nicht so: Der Umstand, dass die Männer zu Hause waren, führte nicht dazu, dass sie weniger im Haushalt arbeiteten.

Homeoffice erzeugte Schuldgefühle bei Frauen

Außerdem stellten die Forschenden fest, dass viele Frauen durch das Homeoffice in einen Konflikt zwischen Erwerbs- und Sorgearbeit kamen. So berichteten viele von ihnen von Schuldgefühlen gegenüber ihren Familien, wenn sie zu Hause viele Arbeitsaufgaben erledigen mussten. Bei den Männern wurden keine Schuldgefühle festgestellt.

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In Hybridarbeit könnte dagegen ein Lösungsansatz für die gerechtere Arbeitsverteilung liegen, so die Studie. Denn wenn Männer flexible Arbeitsmodelle hatten, konnten Frauen im Homeoffice mehr von ihren Arbeitsaufgaben erledigen. Hatten Frauen eher unflexible Arbeitsbedingungen, übernahmen ihre Männer im Homeoffice außerdem auch mehr Haushaltstätigkeiten, so die Forschenden.

Deutschland: Pandemie verhärtet alte Geschlechterrollen

Zahlreiche Studien belegen auch in Deutschland, dass die Corona-Pandemie in vielen Familien zu einer Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen geführt hat. Die Pandemie hat sich somit stärker auf die Lebenszufriedenheit von Frauen als von Männern ausgewirkt, wie eine Erhebung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt.

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Die Soziologin Jutta Allmendinger beschreibt dieses Phänomen als „Retraditionalisierung“. Frauen trugen demnach die Hauptbelastungen der Pandemie. Beispielsweise reduzierten vor allem Frauen während der Pandemie ihre Arbeitszeit im Job, um während der Kita- und Schulschließungen ihre Kinder zu betreuen, wie eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Die Lücke zwischen Männern und Frauen bei der Erwerbsarbeitszeit stieg dadurch weiter an, was wiederum Auswirkungen auf die späteren Rentenbezüge hat. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befürchten, dass sich diese Rückschritte über Jahre hinweg auf die Joblaufbahn, die Chancen und die Gehälter der Frauen auswirken werden.

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