Aktuell
 

Was wünschen Sie sich für Lüneburg?

 

Lüneburg. Wie soll das Leben im Jahr 2030 aussehen? Was wäre, wenn neben klassischen Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen alternativen Projekten mehr Chancen eingeräumt würden? Wenn grüne Fassaden und Dächer dazu beitragen, Ernährung zukunftsfähig zu machen? Wie können Ehrenamtliche besser vernetzt oder Ganztagsschulen zu Alltagsorten werden? Und wie stärken wir lokale Betriebe, um Arbeitsuchende in Lüneburg zu halten? Themen wie Wohnen, Arbeiten, Ernährung oder Transport treiben jeden um - konkrete Maßnahmen, die in der Stadt für ein besseres Klima sorgen könnten, wurden jetzt im Rahmen des Projekts „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ entwickelt. LZonline stellt auf dieser Seite alle 17 Maßnahmen gebündelt vor.

 

Das Projekt

Beim Projekt "Zukunftsstadt" handelt es sich um einen bundesweiten Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Aktuell sind noch 20 Kommunen im Rennen. In der dritten und letzten Phase wird unter sechs bis acht Auserwählten eine siebenstellige Förderungssumme aufgeteilt. Das Lüneburger Projekt "Zukunftsstadt 2030+" koordinieren die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dr. Antje Seidel und Annika Weiser von der Leuphana Universität. Mehr zum Projekt lesen Sie HIER.

 

Die Maßnahmen

Wohnprojekte-Kontor

Mehrgenerationen, Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, flexibleres und gemeinschaftliches Wohnen: Alternative Wohnformen wie beispielsweise einen Bauwagenplatz gibt es in Lüneburg bereits. Dennoch überwiegen im Stadtbild Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser. Eine neue Anlaufstelle soll Menschen beraten, die sich für das etwas andere Wohnen interessieren, und so dazu beitragen, dass günstiger und vielfältiger Wohnraum in Lüneburg geschaffen wird. Studien zufolge führen Wohnprojekte in Siedlungen nachweislich zu einer Verringerung der Fluktuation und einer höheren Identifikation mit dem Wohnort.

Vergabeschlüssel für Wohnraum

Da der Wohnraum in Lüneburg, auch aufgrund der Nähe zu Hamburg, seit Jahren immer knapper und teurer wird, gibt es eine weitere Überlegung: Ein zunächst freiwilliger Verteilerschlüssel, der zusätzliche Parameter neben gängigen wie dem Einkommen berücksichtigt, soll dafür sorgen, dass in Lüneburg auch Zielgruppen versorgt werden, für die es schwierig ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Idee ist, dass dieser Schlüssel schon frühzeitig in Neu- und Umbauprojekte miteinbezogen wird. Lüneburg könnte somit Vorbild werden für Städte, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

 

Lokal arbeiten in Lüneburg

Welche Firmen in Lüneburg nehmen eigentlich Praktikanten? Was für Berufe bietet die Region? Ein neuartiges Praktikumskonzept mit Bildungsangeboten sowie ein Austauschprogramm für Lüneburger Unternehmen soll dazu beitragen, den Arbeitsmarkt langfristig attraktiver zu gestalten und Nachwuchs anzusprechen. Denn in der Hansestadt gibt es nicht nur eine Vielzahl an Unternehmen, sondern auch eine Bandbreite. Gleichzeitig hat Lüneburg eine Größe, die es möglich macht, dass sich die Firmen vernetzen, um den Nachwuchs zu fördern.

 

Medienkompetenz

Mehr denn je werden Medien als Quelle und Kanal für Informationen genutzt, dazu braucht es aber auch ausreichend Wissen im Bereich Medienkompetenz. Um sowohl das technische Know-how als auch den kritischen Umgang auszubauen, soll die Zusammenarbeit regionaler Kompetenzträger vertieft werden. In Pilotprojekten könnten berufsbildende Schulen mit IT-Firmen zusammenarbeiten, ebenso Schüler-AGs Fortbildungen für Lehrer und angehende Pädagogen entwickeln.

 

Historisches Grün neu entdecken

Viele Gebäude in Lüneburg stehen unter Denkmalschutz, das bedeutet, dass Optik und Substanz nicht verändert werden dürfen. Dennoch sind Anpassungsmaßnahmen möglich. So ist die Idee entstanden, zum Beispiel auf Hinterhöfen, Dächern oder an straßenabgewandten Fassaden Grünflächen entstehen zu lassen. Denn vor der starken baulichen Verdichtung waren viele Innenhöfe einmal Gärten. Dazu ist eine Wanderausstellung geplant, die Lüneburgern die Thematik anhand von historischen Karten und Abbildungen vermittelt.

 

Mehr Biodiversität

Viele Initiativen setzen sich in Lüneburg dafür ein, das Gärtnern in der Stadt zu ermöglichen und insektenfreundliche Flächen zu fördern. Die Maßnahme „Bunt ist das neue Grün“ soll dafür sorgen, dass unter anderem Kreisel entsiegelt und bepflanzt, Rasenflächen in Gewerbegebieten in eine bunte Blumenwiese verwandelt, Patenschaften für einen alten Obstbaum übernommen werden. Konkrete Gespräche laufen bereits mit einigen Kleingartenanlagen, in denen gezielte Aufwertungsmaßnahmen vorgenommen werden sollen.

 

Klimawandel aufs Dach gestiegen

Um auf die Folgen des Klimawandels wie Hitzewellen, Starkregen und andere extreme Wetterereignisse vorbereitet zu sein, sollen in Lüneburg reflektierende Oberflächen, angepasste Bepflanzungen und Wasserflächen geschaffen werden. Diese wirken der Aufheizung der Stadt entgegen. So erfüllen Grünflächen auf Dächern beispielsweise den Zweck eines Schwamms, sie nehmen Starkregen auf und geben ihn nach und nach wieder frei.

 

Hausgemachte Energieversorgung

Eine lokale, dezentrale und nachhaltige Energieversorgung – das funktioniert nur, wenn neben den Energieversorgern auch die Hauseigentümer, Wohnungsbaugenossenschaften, Wohnprojekte, die Klimaschutzleitstelle und viele mehr in das Projekt einsteigen. Durch ein Quartiersstrom-Prinzip und eine große Zahl Beteiligter wird Energie preisgünstiger, der Verbrauch durch kürzere Wege gesenkt. Das führt auch zu einer größeren Transparenz.

 

Ernährungsrat

Um die Wertschätzung von Lebensmitteln zu erhöhen, gleichzeitig die Verschwendung zu reduzieren und vermehrt regionale Produkte zu verwenden, soll nach dem Vorbild thematischer Zukunftsräte ein Ernährungsrat in Lüneburg etabliert werden. Dieser sieht eine Vernetzung aller Beteiligten vor, die sich bereits in dem Feld engagieren. Inhalte sollen gemeinsam in Arbeitsgruppen erstellt, die Ergebnisse gezielt in kommunale Entscheidungsprozesse eingebunden und so Einfluss auf das Lüneburger Ernährungssystem genommen werden.

 

Lieblingsplätze

20 Orte sollen in Lüneburg künftig zum Verweilen einladen, Raum zum thematischen Austausch, für Kunst, Ideenwettbewerbe, Präsentationen, Informationen und mehr bieten. Die Idee besteht darin, die Innenstadt langfristig zu beleben, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und beispielsweise Zugang zu Trinkwasser zu ermöglichen. Sogenannte Lieblingsplätze sollen dazu beitragen, dass die Lüneburger auch so mal das Zentrum ansteuern und sich in der Stadt aufhalten – mit oder ohne Konsumzwang.

 

Siegel „Grüner Giebel“

Die Lüneburger Wirtschaft soll klimaneutral werden, das bedeutet, dass der Konsum keine Auswirkungen auf das globale Klima haben soll. Diese Maßnahme sieht eine CO2-Kompensation vor: So bescheinigt das Siegel „Grüner Giebel“, dass Lüneburger ihren ermittelten, nicht vermeidbaren Ausstoß durch lokale Maßnahmen ausgeglichen haben. Die Kompensation kann beispielsweise durch die lokale Land- und Abfallwirtschaft oder durch Kleingartenvereine erfolgen. Die Idee ist, dass Lüneburger nicht nur ihr eigenes Unternehmen klimaneutral gestalten, sondern zum Beispiel auch ihren Besuch im Restaurant, ihren Online-Kauf oder ihren Langstreckenflug ausgleichen.

 

Lüneburg Maps

In der Region gibt es viele Fahrradwege abseits der Hauptverkehrsstraßen. Zahlreiche Routen wurden über studentische Projekte und andere Initiativen bereits erfasst, auch von Seiten der Stadt und des Landkreises liegen weitere Daten vor. Geplant ist eine offene Datenbasis, die als Grundlage für Mobilitätsplattformen, Routenplaner-Apps und Informationskampagnen in und um Lüneburg dient. „Lüneburg Maps“ soll auf die vorhandene offene Geodatenbank der Webseite „OpenStreetMap“ aufbauen. Die Maßnahme soll mit maßgeschneiderten Mobilitätsangeboten dafür sorgen, dass einem die Entscheidung für umweltfreundlichere Verkehrsmittel leichter fällt.

 

Lieferung per Lastenrad

Die größte Konkurrenz der hiesigen Geschäfte ist der Online-Handel: Immer mehr Menschen greifen zum Smartphone, um sich ihre Bestellungen bequem bis vor die Haustür liefern zu lassen. Um auch Lüneburgern den Vertriebskanal Internet für den Einzelhandel vor Ort zu erschließen, sollen bereits bestehende Strukturen wie zum Beispiel die App „Kaufhaus Lüneburg“ genutzt werden. Die Belieferung erfolgt schnell und umweltfreundlich per Lastenrad. Das Transportmittel soll der lokalen Wirtschaft zudem die Möglichkeit bieten, Werbung zu schalten.

 

Servicestelle stärkt Engagement

Eine Servicestelle soll die vielen Ehrenamtlichen, die in Lüneburg aktiv sind, unterstützen – bei administrativen Aufgaben, rechtlichen oder finanziellen Belangen, dem Bereitstellen von Räumen oder Sachmitteln. Schon jetzt gibt es in der Hansestadt mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, Janun, T.U.N, der Willkommensinitiative und dem Dachverband der Studierendeninitiativen viele Dachorganisationen, die für die dazugehörigen Initiativen strukturgebend sind. Die vorhandenen Ressourcen sollen in einer Servicestelle zusammengeführt werden, damit der alltägliche Verwaltungsaufwand nicht auf den Ehrenamtlichen lastet.

 

Werkzeugkasten

Viele Bürger engagieren sich in ihrer Freizeit in verschiedenen Initiativen und Projekten, um die Gestaltung der eigenen Stadt ­voranzubringen. Das bietet gleichzeitig eine Ressource für Planungsprozesse, auch für die Stadtverwaltung. Ein Werkzeugkasten soll dabei helfen, nach geeigneten Wegen für eine niedrigschwellige Partizipation und für die gemeinsame Gestaltung des Stadtlebens zu suchen. So ist beispielsweise ein Meldesystem für Räume zur Mehrfachnutzung geplant.

 

Ehrenämter vernetzen

Das Engagement in Lüneburg zu bündeln, ist das Ziel dieser Maßnahme. Eine zentrale Plattform soll dafür sorgen, dass sich die ehrenamtlichen Helfer über Projekte und Ereignisse auf dem Laufenden halten können, die Trennung zwischen „studentisch“ und „städtisch“ aufgehoben wird. Anliegen können so über kurze und informelle Kommunikationswege besprochen werden. Das verhindert, dass beispielsweise zwei Initiativen, die nicht voneinander wissen, dieselbe Idee gleichzeitig in die Tat umsetzen.

 

Ganztagsschule als Lern- und Lebensort

Etliche Schulen in Lüneburg machen sich derzeit auf den Weg zur Ganztagseinrichtung. Alltagsorte zu schaffen und gleichzeitig den hiesigen Vereinen zu mehr Zulauf zu verhelfen, ist ein Anliegen des Projekts „Zukunftsstadt“. Mithilfe eines Baukasten-Systems sollen die Angebote, die es in Lüneburg beispielsweise in den Bereichen Kultur, Sport und Ernährung gibt, gebündelt, aufeinander abgestimmt und schulformübergreifend zur Verfügung gestellt werden. Ab März 2021 soll dann jährlich eine Messe stattfinden, auf der die Angebote präsentiert werden und sich Akteure vernetzen können.

 

von Anna Paarmann, Grafiken: Daniela Peukert